Leseallergie an (Hoch-)Schulen

In der Ausgabe 4/18 von Forschung & Lehre hat Christiane Bender sich unter dem Titel Von der Lesewut der Wenigen zur Leseallergie der Vielen Gedanken zum aktuellen Leseverhalten an Schulen und Hochschulen gemacht. Nach ihren Überlegungen ist es heute in den Geistes- und Sozialwissenschaften „keineswegs (mehr) selbstverständlich […] gundlegende Literatur an spätere Generationen“ weiterzugeben. Obwohl heute die Hilfsmittel für Begriffsdefinitionen, Erklärungen oder auch Übersetzungen, um einen Text zu entschlüsseln, wesentlich einfacher zu handhaben sind, da vieles über das Internet geklärt werden kann und ein Gang in die Bibliothek oftmals erspart bleibt, ist die „Phase großer Begeisterung von jungen Lesern für eine mehrere hundert Seiten umfassende“ Lektüre längst vorbei. „Immer mehr gilt ein Text, der nicht in unmittelbar eingängiger Sprache abgefasst ist, als nicht lesenswert. Rasch wird geurteilt: Ein Text, der nicht der Alltagskommunikation entspricht, ist eine Zumutung!“, so ihr vorgezogenes Fazit.

Die bisher geltenden Qualitätsmerkmale einer Literatur, die faszinieren kann und stets als „Segen für die Aktivierung neuronaler Netzwerke, für die Bildung von Gedächtnis und Phantasie und für eine inspirierende Sicht auf das eigene“ Leben galt, werden auf Kosten der Digitalisierung aufgegeben, wodurch der Kern unserer wichtigsten Kulturtechnik, das vertiefte Lesen, aufs Spiel gesetzt wird und die Ambivalenzen menschlichen Handelns immer fremder werden. Mit anderen Worten: „Veränderungen im Leseverhalten von Generationen betreffen das Herz von Kultur und Gesellschaft“.

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Maya-Zug: Traum oder Albtraum?

Die ungewöhnliche Kontroverse um den Maya-Zug endet natürlich nicht mit der Zustimmung, die er in der letzten Volksbefragung erhalten hat, sondern steht noch ganz am Anfang. Dieser Beitrag soll zu dieser Kontroverse beitragen, ausgehend von zwei Prämissen. Erstens, dass es notwendig ist, zwischen den Auswirkungen zu unterscheiden, die das Bauprojekt (1.525 km Schiene) verursachen wird, und denen, die es kurz-, mittel- und langfristig auf seine derzeitigen Bewohner ausüben wird. Das Eine sind die Auswirkungen, die durch den Bau eines Mobiltelefons, eines Autos oder eines Kernkraftwerks verursacht werden, das Andere sind diejenigen, die durch ihre individuelle und gemeinsame Nutzung ausgelöst werden. Zweitens werden seine Auswirkungen, wie bei jeder technologischen Innovation, vom Zusammenspiel der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Kräfte abhängen, das durch diese Innovation ausgelöst wird. Es gibt keine Garantie dafür, dass die Eröffnung einer Eisenbahnstrecke automatisch Fortschritt und Wohlstand bringt, und gleichzeitig gibt es keine Hinweise darauf, dass sie zu einem Auslöser von Zerstörung oder Verschlechterung werden kann. Die Eröffnung neuer Kommunikationswege (für Autos, Eisenbahnen, Schiffe oder Flugzeuge) in abgelegenen oder isolierten Gebieten, die als Akt der Modernisierung oder des Fortschritts angesehen wird, prägt die Regionen entsprechend dem jeweiligen Kontext, der sich aus den wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Kräften in vollem Konflikt oder Widerspruch ergibt, in den sie eingebunden werden. Da der Ausbau der Maya-Zugstrecke auf bereits bestehenden Eisenbahnstrecken oder Straßen erfolgen soll, konzentriert sich dieser Beitrag auf die Auswirkungen, die dieses Projekt auf die gesamte Region haben würde.

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Crowfunding für Projekt „Dorf testet Zukunft“ beendet

Das Projekt für ein bedingungsloses Grundeinkommen stiess landesweit auf grosses Interesse. Nachdem mit 770 Anmeldungen mehr als die Hälfte der EinwohnerInnen von Rheinau erreicht worden sind, startete das Crowdfunding am 16. Oktober. Das Geld sollte den TeilnehmerInnen der Aktion ein Jahr lang ein bedingungsloses Grundeinkommen ermöglichen. Die Erwartung war hoch, sehr hoch, und das Vorhaben gewagt. Bis zur Deadline am 4. Dezember kamen durch die Crowfunding-Aktion rund CHF 150’000 zusammen – das erklärte Ziel waren rund 6.1 Millionen Franken.

Ob es weitergeht, hängt von den TeilnehmerInnen ab. Anfang Dezember wird es in Rheinau zu einem Austausch kommen, bei dem TeilnehmerInnen und das Projektteam ein Fazit ziehen. „Seit Beginn des Projekts ist uns der Dialog wichtig, denn es geht nur zusammen. Das wollen wir beibehalten. So oder so wird das Projekt-Team, zusammen mit dem Gemeinderat, dem Wissenschaftsteam, sowie weiteren involvierten Parteien, die Reise bis hierhin und die Erkenntnisse analysieren und auswerten.“ Über weitere Neuigkeiten zum Projekt wird zu gegebener Zeit informiert.

Quelle: Dorf testet Zukunft

Pierre Klossowski: Lebendes Geld

Pierre Klossowski (1905–2001), französischer Übersetzer, Philosoph und Maler, schrieb Lebendes Geld in den Turbulenzen der Kapitalismus-Kritik um 1968. Der Text verbindet Analysen zur libidinösen Struktur der europäischen Wirtschaft, Erotik und Ikonik, um nach Möglichkeit einen utopischen, jedenfalls einen anderen als kapitalistischen Weg andeuten zu können. Michel Foucault sah in dem Text ein »anthropologisches Dreieck« aus Begehren, Wert und Simulakrum aufgestellt und sprach vom »größten Buch unserer Epoche«. Heute gilt es, das in seiner entschiedenen Heterogenität subversive Buch aus dem Abstand von nahezu fünfzig Jahren neu zu lesen und zu gebrauchen.

Das Buch erscheint bei Turia + Kant nicht als das spektakuläre Text-Bild-Album, das von Klossowski gemeinsam mit dem Filmemacher und Fotografen Pierre Zucca konzipiert und publiziert worden war, sondern als purer Text.

Literatur Sichtbar machen

Ein Gedicht an einer Brandwand in Berlin führte jüngst vor, wie Lyrik gesellschaftliche Debatten auszulösen vermag. Der Normalfall ist das allerdings nicht: Das Wand-Gedicht stellte sich der Stadtgesellschaft sichtbar in den Weg – üblicherweise muss man erst ein Buch aufklappen, um die Auseinandersetzung mit Literatur aktiv zu beginnen. Das zu tun ist im Zeitalter der multimedialen Aufmerksamkeits-Konkurrenz alles andere als selbstverständlich.

Auch Literatur-Arbeit findet meist im Verborgenen statt: Während Autor*innen im Idealfall (und wirklich nur in diesem) anlässlich von Erscheinungsterminen eine gewisse mediale Aufmerksamkeit genießen, sind Übersetzer*innen und Lektor*innen oftmals wie die sprichwörtlichen fleißigen Heinzelmännchen: Wenn man aufwacht, ist die Arbeit bereits getan, und sie fallen nur auf, wenn sie einmal Fehler machen.

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Confessions of a Radical Chicano Doo-Wop Singer

Rubén Funkahuatl Guevara ist ein gebürtiger Angelino Chicano Musiker, Sänger und Songwriter, ein Plattenproduzent von Chicano Rock and Roll und Rock en español Compilations, und ein Performancekünstler, Dichter, Kurzgeschichtenschreiber, Historiker, Journalist und Aktivist. Sein neu erschienenes Buch Confessions of a Radical Chicano Doo-Wop Singer (University of California Press, 2018) ist eine bewegende Erinnerung an sein Leben und eine spannende (Gegen-)Geschichte der Stadt Los Angeles.

Es ist, als ob Rubén Funkahuatl Guevara, universell gebildeter Aztekenkrieger und Chicano-Superheld, mit der ersten Aztlán Sonne in East Los Angeles aufging, die dem Barrio kreatives Licht gab.
– Louie Pérez, Musiker und Songwriter bei Los Lobos

 

Arbeitswelt im Wandel

In der Sendung der Reihe „Anne Will“ vom 25.11. diskutierte die Moderatorin über die Zukunft des Sozialstaats mit Jens Spahn (CDU), Sahra Wagenknecht (Die Linke), Lars Klingbeil (SPD), Michael Bohmeyer (Mein Grundeinkommen) und Simone Menne (Unternehmensberaterin). Dabei sind die Ausführungen gleich zu Beginn der Sendung von Lars Klingbeil über die sich verändernde Arbeitswelt (!) und die diesbezügliche Aufgabe des Staates (!) sehr bemerkenswert, vor allem, wenn er als Beispiel über Übersetzer (und Dolmetscher) fabuliert. Hier ein Transkript der ersten Minuten in dem Gespräch:

Anne Will: „Herr Klingbeil, wollen Sie das Prinzip Hartz IV hinter sich lassen, oder nur den Namen?“
Jens Klingbeil: „Also, das was wir beibehalten wollen, ist das Fordern und Fördern. Wir verlangen den Menschen was ab, die staatliche Leistungen bekommen, aber gleichzeitig müssen sie sich eben darauf verlassen können, dass der Staat sie stärker fördert, und das ist etwas, was in Zeiten der Digitalisierung, und wir werden enorme Umbrüche erleben in den nächsten Jahren, was immer wichtiger wird. Also, das ist ein Prinzip, das wir beibehalten wollen, und trotzdem gibt es vieles im System Hartz IV, was wir ändern werden, und wo Andrea Nahles auch völlig recht hat, dass das System danach wahrscheinlich sehr anders aussehen wird und dann auch einen anderen Namen und eine andere Intention.“

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Recht auf bildschirmfreie Kitas, Kindergärten und Grundschulen

Lehrer, Erzieher und Eltern müssen selbst entscheiden können, bis zu welchem Alter Bildungseinrichtungen bildschirmfrei sind. Erzieherinnen und Erzieher und Lehrkräfte müssen selbst wählen können, mit welchen Medien sie arbeiten und unterrichten, ob und wann sie digitale Medien als Hilfsmittel einsetzen. Dazu braucht es ein Recht auf bildschirmfreie Kitas, Kindergärten und Grundschulen. Die Bildungspolitik tut gut daran, sich von der Fixierung auf flächendeckende Digitaltechnik zu lösen und kreative Alternativen zuzulassen, deren Vertreter sich primär den Kindern und ihren realweltlichen Lern- und Bildungserfahrungen zuwenden dürfen.

Wirtschaft und Politik treiben mit hoher Geschwindigkeit die digitale Transformation der Gesellschaft voran. Das geschieht an Schulen unter dem Stichwort „Digitale Bildung.“ Die Technik dazu sind heute Smartphones, Tablets und WLAN. Dabei werden Unterricht, Schule und Lernen zunehmend über (Medien-)Technik definiert.

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Projekt Maya-Zug

Verschiedenste Akademiker und Künstler schickten Anfang der Woche einen offenen Brief an den designierten Präsidenten in Mexiko, Andrés Manuel López Obrador (AMLO), um die Bürgerbefragungen zum Maya-Zug und zum Handels- und Eisenbahnkorridor des Isthmus von Tehuantepec einzustellen, die am 24. und 25. November stattfinden sollen. Gleichzeitig solle der für den 16. Dezember geplante Baubeginn der Zugstrecke durch den Isthmus von Tehuantepec gestoppt werden.

Quelle: https://lopezobrador.org.mx/2018/09/11/proyecto-tren-maya/

Das erste Bauprojekt umfasst die Staaten Chiapas, Quintana Roo, Yucatán, Campeche und Tabasco, das zweite Projekt betrifft die Staaten Oaxaca und Veracruz. Die erstgenannten sechs Bundesstaaten gelten als kritische Lebensräume, da sie Gebiete mit einem hohem Wert für die Biodiversität aufweisen.

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Iberoamerikanisches Institut für indigene Sprachen

Der XXVI. Iberoamerikanische Gipfel hat auf Vorschlag der Regierungen Boliviens und Ecuadors beschlossen, ein Iberoamerikanisches Institut für indigene Sprachen zu schaffen. Ziel ist es, für die indigenen Sprachen Maßnahmen zur Erhaltung, Übertragung und Entwicklung im Gemeinschaftsleben und in der Gesellschaft insgesamt durchzuführen und ein Netzwerk von Partnerschaften mit öffentlichen Einrichtungen, Hochschulen, Medien, Finanzinstituten und Organisationen der Zivilgesellschaft zu bilden. Die Organisation der Iberoamerikanischen Staaten für Wissenschaft und Kultur (OEI) und der Entwicklungsfond der indigenen Völker Lateinamerikas und der Karibik (FILAC) wurden in Abstimmung mit dem Iberoamerikanischen Generalsekretariat (SEGIB) mit der Organisation dieser Initiative beauftragt.

Diese Initiative wird durch die Tatsache bestärkt, dass die Vereinten Nationen in ihrer Generalversammlung vor zwei Jahren das Jahr 2019 zum Jahr der indigenen Sprachen erklärt haben. Gleichzeitig wird damit bekräftigt, dass im Rahmen der vorhandenen Ressourcen eine Arbeitsgruppe eingesetzt werden muss, um das umzusetzen, was auf dem Gipfeltreffen der Iberoamerikanischen Staatschefs 2006 in Montevideo in Bezug auf das Iberoamerikanische Institut für indigene Sprachen vereinbart wurde.

Quelle: SEGIB (Nr. 12 der Mitteilungen)