Die Verschwundenen von Antonio Ortuño

Wie ein skrupelloser Bauunternehmer mit Bestechung, Erpressung und Mord seine Ziele durchzusetzen versucht und in Kauf nimmt, dass die eigene Familie daran zerbricht: In seinem grandiosen Roman zeichnet Ortuño ein erschütterndes Sittenbild des heutigen Mexiko, in dem Korruption und Gewalt allgegenwärtig sind.

Der Bauunternehmer Don Carlos Flores plant in Guadalajara eine luxuriöse Wohnanlage, für die er schon einen Namen hat, Olinka, und auch Investoren. Er muss sich für dieses Projekt, das ihn und seine Familie noch reicher machen soll, nur noch den Grund und Boden aneignen. Und die Leute vertreiben, die dort wohnen. Dazu ist ihm jedes Mittel recht. Viele gehen nach Schikanen freiwillig, aber zwei Familien lassen sich nicht vertreiben und die sind plötzlich verschwunden. Gleichzeitig wird Don Carlos der Geldwäsche für die Drogenbosse aus dem Norden Mexikos beschuldigt und Journalisten recherchieren, wo die Verschwundenen geblieben sind. Alle Spuren weisen auf Don Carlos, der den Kopf aus der Schlinge zieht und seinen Schwiegersohn, Aurelio Blanco, als Bauernopfer den Behörden ausliefert. Ohne zu ahnen, wofür er eigentlich benutzt wird, deckt ihn Aurelio bereitwillig. Doch mit 15 Jahren Haft hat er nicht gerechnet. Als man ihn freilässt, sucht er Gerechtigkeit. Wird es sie für ihn geben?

Das Buch gibt es ab März 2019 im Verlag Antje Kunstmann.

Kölner Gespräche zur Weltliteratur 2018

Der ERC-Grant „Reading Global. Constructions of World Literature and Latin America“ veranstaltet am 14. November 2018 im Neuen Senatssaal der Universität zu Köln die vierte Ausgabe der „Kölner Gespräche zur Weltliteratur“ mit hochkarätigen Gästen aus Literatur- und Kulturbetrieb. Am Podiumsgespräch Literarisches Sextett – (Welt-)Literatur heute nehmen teil: Florian Borchmeyer (Schaubühne Berlin), Andreas Breitenstein (NZZ), Jo Lendle (Hanser Verlag), Andreas Rötzer (Matthes & Seitz Berlin), Sandra Richter (Deutsches Literaturarchiv Marbach) und Uljana Wolf (Autorin). Im Anschluß findet eine Lesung und Diskussion mit dem mexikanischen Autor Antonio Ortuño statt, die von Friederike von Criegern übersetzt und von Jorge Locane moderiert wird.

Universität Gießen eröffnet ein Außenbüro in Kolumbien

Mit einem „Information Point“ wird die Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) künftig an ihrer kolumbianischen Partneruniversität Universidad de Los Andes (Uniandes) präsent sein. Eine entsprechende Absichtserklärung haben JLU-Präsident Prof. Dr. Joybrato Mukherjee und der Rektor der Uniandes, Prof. Dr. Pablo Navas, am 1. November 2018 in Bogotá unterzeichnet. Die Uniandes wird umgekehrt an der JLU ein Außenbüro eröffnen. Damit wird die bereits mehr als 50 Jahre währende Kooperation zwischen den beiden Universitäten auf eine neue Stufe gestellt. Die beiden Universitäten werden an ihren jeweiligen Partnerinstitutionen jeweils das Außenbüro nutzen, um die eigene Universität, ihr Studienangebot und ihre Forschungsmöglichkeiten zu bewerben, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Studierende zu beraten und zu rekrutieren und über die jeweils vorhandenen Fördermöglichkeiten zu informieren.

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Julio Cortázar: Die Katzen / Los gatos

In Die Katzen / Los gatos behandelt Cortázar, der Meister der Andeutung, in seinem 1948 entstandenen Text die Themen des Erwachsenwerdens und des verbotenen Begehrens. Auf fesselnde Weise schildert er die Zerrissenheit zweier junger Menschen zwischen ihren Gefühlen und den Tabus ihrer Umgebung im Buenos Aires der 1940er Jahre. Das Älterwerden bringt ein neues, irritierendes Interesse aneinander mit sich. Die Jahre vergehen, aus kindlichen und pubertären Neckereien entsteht ein verbotenes erotisches Spannungsfeld der Anziehung und Abstoßung. Deutlich wird dabei auch der Konflikt mit den Eltern, die mit ihrer Geheimnistuerei das Leben der beiden ruinieren. Als Rolando in Martas und Carlos Marías vertrauten Kosmos eindringt, scheinen sich die Beziehungen schmerzhaft zu klären. Carlos María ist zerrissen zwischen Eifersucht und heroischem Verzicht – bis ein rätselhafter Brief seines Vaters ihn auf die Spur eines Familiengeheimnisses bringt.

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Serna angesichts von Kritik

Verführungen und Polemiken. Kritische Lesungen über die Arbeit von Enrique Serna

Enrique Serna (Mexico City, 1959) ist Autor eines umfangreichen Werkes, das verschiedene Genres in seinem Repertoire vereint, wie Romane, Kurzgeschichten, journalistische Artikel, Fernsehdrehbücher, Essays und Biographien. Von Anfang an haben seine Bücher alle möglichen Meinungen und bei vielen Gelegenheiten offene Kritik hervorgerufen. Das Interesse an seiner Arbeit hielt sich auch im akademischen Umfeld, was durch die kritischen Studien über Serna bestätigt wird, die von verschiedenen in- und ausländischen Universitäten veröffentlicht wurden.

Drei der jüngsten Bände stammen von mexikanischen Institutionen, die die Debatte und umfassende Analyse dieses Autors fortgesetzt haben und Gemeinsamkeiten aufweisen. Dabei vereint Seducciones y polémicas, herausgegeben von einem Team der Universidad Veracruzana, sieben wissenschaftliche Texte und einen illustrativen Prolog von Elizabeth Corral.

Die Studien sind chronologisch geordnet und jeder der Artikel überzeugt mit solider und kritischer Strenge in der Untersuchung. Abgesehen davon, dass es sich um eine sehr sorgfältige Ausgabe handelt, besticht das Buch, indem beispielsweise auf die intertextuellen Verbindungen zwischen Serna und anderen Schriftstellern wie Inés Arredondo, Vicente Riva Palacio, Giovanni Boccaccio, Juan García Ponce, Jorge Luis Borges, etc. hingewiesen wird. Auf gerade mal 144 Seiten wird ein umfassendes Panorama über den Autor von Liebe aus zweiter Hand dargestellt, das von einer Planungs- und Sorgfaltsarbeit der Herausgeberinnen Magda Díaz y Morales und Norma Angélica Cuevas Velasco zeugt.

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Das (M)acht die Gemeinschaft

Das Crowdfunding zur Finanzierung des Grundeinkommens im Projekt „Dorf testet Zukunft“ läuft schon eine Weile, ist aber nicht besonders erfolgreich, da bis jetzt nur ein Bruchteil der 6 Mio. CHF zusammengekommen ist, die es braucht, damit der Grundeinkommensversuch starten kann. Bei vielen kommen erste Zweifel auf, ob sich der Aufwand des Projektteams und der Gemeinde Rheinau überhaupt gelohnt hat. Aleksandra Gnach findet: unbedingt, und zwar unabhängig davon, wie viel Geld letztlich zusammenkommt.

Die Fragen der RheinauerInnen und der Anmeldeprozess für die Teilnahme veranschaulichen, wie viele Berührungspunkte das Projekt mit bestehenden Systemen hat. Die Auseinandersetzung mit Fragen, was ein Einkommen ist, wie es mit der Gerechtigkeit aussieht, die vielen Gespräche und Diskussionen im Dorf verändern die EinwohnerInnen und auch die Gemeinschaft als Ganzes. Rheinau wird nie mehr sein wie vorher und auch deshalb hat sich der Aufwand gelohnt. Das Tüpfelchen auf dem i ist die Tatsache, dass man schon aufgrund der bisherigen Diskurse gesellschaftlichen Wandel mit Daten illustrieren kann. Abzuwarten bleibt, ob die Macht der Gemeinschaft auch beim Crowdfunding mitspielen wird: Es bleibt spannend.

5. Latin American Film Festival Berlin

Lakino zeigt sich abermals als Raum für Reflexionen über die sozialen und politischen Realitäten Lateinamerikas.

In seiner 5. Ausgabe zeigt das Latin American Film Festival in Berlin eine Auswahl von 14 Spiel- und Dokumentarfilmen, die bereits auf zahlreichen hochkarätigen Festivals auf der ganzen Welt gezeigt wurden. Diese beeindruckenden neuen Produktionen aus ganz Lateinamerika zeigen die gesamte Bandbreite von Stilen, Techniken und Herangehensweisen, mit denen lateinamerikanische Filmemacher heute arbeiten. Einige dieser Regisseure sind erst kürzlich auf der Bühne der internationalen Festivalszene in Erscheinung getreten, haben jedoch für ihre Filme schon zahlreiche Auszeichnungen und hervorragende Kritiken erhalten.

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Kulturzeitschriften 2.0

Das Portal Revistas culturales 2.0 dient als virtuelle Forschungsumgebung für Forscher und alle anderen Interessenten, die sich mit historischen Zeitschriften aus dem spanischsprachigen Kulturkreis beschäftigen. Während bisher die interaktiven und kollaborativen Technologien des sogenannten Web 2.0 vor allem zur Publikation von Gegenwartszeitschriften genutzt wurden, werden diese Technologien auf dem Portal Revistas culturales 2.0 dazu eingesetzt, um die Forschung zu historischen Kulturzeitschriften der Moderne, die bisher vorwiegend hermeneutisch orientiert war und sich auf die intensive Analyse ausgewählter einzelner Zeitschriften konzentrierte, zu bereichern und auf neue Wege zu führen. Die Aufgabe, die sich das Portal stellt, ist dabei einerseits, einen Überblick über aktuelle Digitalisierungsprojekte zu spanischsprachigen Kulturzeitschriften zu verschaffen, vor allem aber, zur Erforschung dieser Materialien mit neuen Instrumentarien und Werkzeugen der Digital Humanities anzuregen. In den Publikationen zu Netzwerkanalysen sowie einem Überblick der Bibliografie mithilfe des DARIAH-Geobrowsers können erste Ergebnisse vorgestellt werden.

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Internationaler Nürnberger Menschenrechtspreis 2019

Am Sonntag, dem 21. Oktober 2018 hat die Jury des Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreises unter Vorsitz des Oberbürgermeisters der Stadt Nürnberg, Dr. Ulrich Maly, im Rathaus getagt und für die dreizehnte Verleihung dieser Auszeichnung folgende Entscheidung getroffen:

Der Preisträger ist Herr Rodrigo Mundaca aus Chile

Der Preis wird am Sonntag, dem 22. September 2019, im Nürnberger Opernhaus verliehen. Die Jury begründet ihre Entscheidung folgendermaßen:

Rodrigo Mundaca kämpft seit Jahren für den freien Zugang zu Wasser in der Region Petorca, nördlich von Santiago de Chile. Er ist Agraringenieur und arbeitet für die Organisation Movimiento de Defensa por el acceso al Agua, la Tierra y la Protección del Medioambiente (MODATIMA, Bewegung zur Verteidigung des Zugangs zu Wasser, der Erde und des Umweltschutzes) als deren Generalsekretär. Die Region Petorca, die Heimat von Rodrigo Mundaca, ist durch zahlreiche Wasserkonflikte zwischen Agribusiness-Unternehmen (hauptsächlich Avocados und Zitrusfrüchte für den Export) auf der einen Seite und lokalen Kleinbauern sowie der ländlichen Bevölkerung auf der anderen Seite gekennzeichnet. Neunzig Prozent der Wasserrechte sind in Chile privatisiert, was dazu führt, dass Unternehmen das Wasser aus den Flüssen, vor allem auf Avocado-Plantagen und in private Brunnen ableiten.

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Dorf testet Zukunft: Wir brauchen euer Geld

Dorf testet Zukunft benötigt 6.2 Millionen, um den Versuch, das bedingungslose Grundeinkommen in einer Gemeinde ohne staatliche Hilfe für ein Jahr möglich zu machen, zu finanzieren.

Viele fragen, wie dieser hohe Betrag sich zusammensetzt, und das zu recht. Der Betrag ist eine Hochrechnung der benötigten Grundeinkommen für die 770 Teilnehmer:innen in Rheinau während eines Jahres. Die Arbeit der Teammitglieder wird nicht entlohnt und ist daher nicht Bestandteil dieser Summe.

Mach mit und sei Teil von diesem Pionierprojekt!

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