Mario Vargas Llosa: El hombre de negro

Die Zeitschrift Letras Libres veröffentlicht in seiner Ausgabe von August 2019 (México No. 248 / España No. 215) eine bisher unveröffentlichte Kurzerzählung von Mario Vargas Llosa. Darin bekommt ein Schauspieler mit nur geringem Engagement das Angebot, bei der Bearbeitung von Los cuentos de la peste mitzuwirken, dem Werk, in welchem Vargas Llosa die Geschichten von Boccaccios Decameron meisterhaft nachbildet. Der Vorschlag, wie man beim Lesen der Kurzerzählung feststellt, ist ungewöhnlich, aber er entflieht auch dem Gewöhnlichen, was der Schauspieler auf der Bühne entdeckt. Dies ist die Prämisse von „El hombre de negro“, in der Humor, die Hintergründe des theatralischen Mediums, frustrierte Sehnsüchte und die Epiphanien der Kunst (im Sinne der ‚Erscheinung‘, wie sie von James Joyce als Begriff auf die Literatur übertragen wurde) zusammenkommen.

Modern Monetary Theory

Auf der soeben zu Ende gegangenen Cologne Summer School an der Uniwersytet Jagielloński w Krakowie kam unter anderem bei einem Gespräch mit einem Wirtschaftswissenschaftler das Thema auf die „Modern Monetary Theory“ (MMT). Eine der Heimstätten dieser bisher weitestgehend ignorierten Theorie ist die Universität Missouri, wo der ehemalige Bankenregulierer und Professor für Recht und Wirtschaft, Bill Black, lehrt und dafür wirbt, höhere Staatsdefizite in Kauf zu nehmen, da diese keine Katastrophe darstellen würden.

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Cologne Summer School 2019

Vom 21. bis 28. Juli 2019 findet in der Uniwersytet Jagielloński w Krakowie die Cologne Summer School 2019 zum Thema Complejidad e incertidumbre en las letras y artes contemporáneas statt.

In dem angekündigten Kurs wird sich die Diskussion nicht nur auf die Bedeutung des spanischen Wortes „incertidumbre“ konzentrieren (z.B. auf die Unterscheidung zwischen den Bedeutungen, die durch „Ungewissheit“, „Unsicherheit“ und „Zweifel“ ins Deutsche übersetzt werden), sondern auch auf die wachsende Bedeutung, die das Konzept in der Moderne erlangt hat.

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Berechnung des maximal möglichen Meeresspiegelanstiegs

Ein internationales Forschungsteam um Prof. Dr. Detlef Stammer vom Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit (CEN) der Universität Hamburg hat ein Konzept zur Berechnung des maximal möglichen Meeresspiegelanstiegs entwickelt und im Fachjournal „Earth´s Future“ vorgestellt. Die Forscherinnen und Forscher zeigen in der Studie, wie in Zukunft zuverlässige Informationen zum maximalen Anstieg des Meeresspiegels bereitgestellt werden können (high-end sea-level rise). Physikalische Prozesse wie das Abschmelzen von Landeis in Grönland oder in der Antarktis werden erstmals mit ihren Unsicherheiten in die Berechnungen miteinbezogen.

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Die Rettung der Welt aus Sicht des Übersetzers

Zum einjährigen Bestehen der Plattform für übersetzte Literatur, TraLaLit, haben die drei Ideengeber dieses Projektes (Freyja Melsted, Felix Pütter und Julia Rosche) 11 Thesen zur Rettung der Welt aufgestellt. Diese Thesen lassen sich als eine Bilanz nach einem Jahr zum Übersetzen, zur Buchbranche und zum Stand der Literaturkritik in Deutschland verstehen. Neben den üblichen, fast schon normalen Lanzen, die für Übersetzungen gebrochen werden, findet sich aber auch ein wichtiger Punkt in diesen Thesen: 6. Nein, die Verhältnisse sind nicht schuld.

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Warum eBooks nicht vergleichbar mit Büchern sind

Markus Beckedahl nimmt die Ankündigung von Microsoft, den eigenen eBook-Store zu schließen, zum Anlass, einen Kommentar auf netzpolitik.org über digitale Inhalte mit Kopierschutz zu schreiben. Darin zeigt er den Weg des Digital Rights Management (DRM) auf, wie er nach der Jahrtausendwende aufkam und dem sich alle großen Anbieter wie Apple, Adobe und Microsoft mehr oder weniger anschliessen mussten.

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Tragödie der Familie Nervo

In Confabulario, der kulturellen Beilage von El Universal in Mexiko, versucht Ángel Gilberto Adame die Notizen, die Amado Nervos Beziehung zu Anne Cécile Louise Dailliez Largillier prägten, zu entwirren und einer kurzen Biographie dieser unbeweglichen Geliebten Gestalt zu verleihen. Nachdem er Ungereimtheiten in Nervos Daten über Anne Cécile gefunden hatte und feststellen musste, dass keiner der Kritiker, die sich mit dem Werk des Dichters beschäftigt hatten, diese bemerkten, forschte er in französischen und spanischen Archiven nach, um mehr darüber zu erfahren, wer eine der wichtigsten Frauen im Leben des mexikanischen Schriftstellers war. Seine in diesen Archiven gemachten Entdeckungen stellt er jetzt in einem weiteren Kommentar auf El Universal zur Verfügung in der Hoffnung, dass diese kleinen Details für diejenigen nützlich sein werden, die sich einmal entscheiden werden, die großartige Biographie von Amado Nervo zu schreiben.

Patricio Pron: Mañana tendremos otros nombres

Die große Stadt Madrid in der heutigen Zeit, und ein sinnbildliches Paar, eine Sie und ein Er, die sich nach vier Jahren des Zusammenlebens trennen. Sie, eine Architektin, hat Angst vor zukünftigen Projekten, obwohl sie einen falschen Grund anführt: einen Liebhaber. Er, ein Essayist, ist völlig verblüfft über eine neue, unentzifferbare Realität. Im Schiffbruch der Beziehung, durch die Risse dessen, was einmal war, treten Freundschaften, deren Rat und auch deren Leben ein, meistens mit mehr Schmerz als mit Lösungen. Es ist die Tinder-Generation, mit Fotos von Verehrern, die mit einem kapriziösen Finger gelöscht werden, wo fast jeder entblößt und schließlich enttäuscht wird.

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María Moreno gewinnt den Manuel Rojas-Preis 2019

María Moreno ist Journalistin, Chronistin und Essayistin und weithin anerkannt für ihre nicht fiktionalen Bücher, die Themen um Körper, Geschlechterfragen, Feminismus, Politik und Sex einschließen. Zu diesen gehören El petiso orejudo (1994), A tontas y a locas (2001), El fin del sexo y otras mentiras (2002), Vida de vivos (2005), Banco a la sombra (2007), La comuna de Buenos Aires (2011) und Subrayados. Leer hasta que la muerte nos separe (2013) sowie Oración. Carta a Vicki y otras elegías políticas (2018). Ende 2016 reihte sie sich mit ihrem autobiografischen Werk Black out in die Liste namhafter SchriftstellerInnen ein, welches ihr auf der Buchmesse von Buenos Aires den Kritikerpreis einbrachte und laut The New York Times als eines der zehn Bücher ausgezeichnet wurde, die die literarische Produktion des Jahres 2016 prägten.

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Gerüche bei Nabokov

„Um jene Zeit reiften die letzten wilden Himbeeren regenfeucht und süß in den Gräben. Maschenka war ganz versessen darauf, und überhaupt lutschte sie eigentlich immerfort irgend etwas – einen Grashalm, ein Blatt, einen Fruchtbonbon. Ihre Landrin-Karamellen trug sie lose in der Tasche, wo sie Klümpchen bildeten und sich mit Krümeln und Wollfasern verklebten. Sie benutzte ein billiges, süßliches Parfüm, das «Tagore» hieß. Diesen Duft, vermischt mit den frischen Gerüchen des herbstlichen Parks, versuchte Ganin jetzt noch einmal einzufangen; aber wir wissen ja, unser Gedächtnis kann fast alles wiedererstehen lassen, nur Gerüche nicht, obwohl die Vergangenheit durch nichts so vollkommen wieder auflebt wie durch einen Geruch, der einst mit ihr verbunden war.“

Dieser Ausschnitt, der die Macht der Gerüche für unsere Erinnerung zeigt, wurde von Vladimir Nabokov in seinem bereits 1925 in Berlin entstandenen Roman Maschenka geschrieben und stammt in der hier vorliegenden Fassung aus dem gleichnamigen Roman der deutschen Fassung, die 1976 bei Rowohlt erschien. Der deutschen Fassung wiederum liegt auf Wunsch des Autors die von Michael Glenny in Zusammenarbeit mit dem Autor aus dem Russischen übersetzte englische Fassung zugrunde, die erstmals 1970 unter dem Titel «Mary» bei der MacGraw-Hill Book Company, New York und Toronto, erschien.

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