
Ariel brauchte Geld, und Joseph Hortha hatte davon mehr als genug. Verbunden durch ihre Dankbarkeit gegenüber dem verstorbenen chilenischen Präsidenten Salvador Allende und das anhaltende Bedürfnis, herauszufinden, ob Mord oder Selbstmord sein Leben zu Beginn des Putsches von 1973 beendet hatten, begeben sich die beiden Männer auf eine Spurensuche, die sie von Washington, D.C. und New York nach Santiago de Chile und Valparaíso und schließlich nach London führen wird.
Doch während sie den politischen Kampf Salvador Allendes, seinen Tod, die darauf folgende Diaspora und die Versuche, ins Land zurückzukehren, Revue passieren lassen und analysieren, müssen Ariel und Joseph einander dabei helfen, die Schuld und das Trauma aufgrund persönlicher Katastrophen zu ergründen, die in eben dieser Vergangenheit verborgen liegen. Um sich damit in diesem Roman, der die Grenzen des Roman-Genres auslotet und sie auf unerwartete und außergewöhnliche Weise erweitert, zu fragen, was wir der Welt, den anderen und uns selbst schulden.
In diesem Roman mit dem Titel Allende y el museo del suicidio. Una historia de amor y muerte (dt. etwa Allende und das Suizidmuseum) untersucht Dorfman das symbolische und politische Gewicht von Allendes Tod, ein Ereignis, das Generationen innerhalb und außerhalb Chiles geprägt hat. Dabei dient die Frage, ob es Selbstmord oder Mord war, als erzählerischer Motor und als Metapher für das kollektive Trauma. Darüber hinaus reflektiert der Roman darüber, wie das Exil die Identität verändert und wie die Vergangenheit weiterhin Antworten einfordert. Die Figuren tragen persönliche und politische Schuldgefühle, die während der Untersuchung wieder aufbrechen.
Ariel Dorfman kombiniert historische Fakten mit fiktionalen Elementen und schafft so einen Text, der die Grenzen des Genres herausfordert. Das „Suizidmuseum“ fungiert dabei als literarisches Mittel, um das Verhältnis zwischen Geschichte, Mythos und Wahrheit zu erforschen. Die hybride Erzählweise, eine Mischung aus Memoiren, politischem Essay, investigativem Thriller und spekulativer Fiktion, gibt dafür Raum für einen reflexiven, intimen und zugleich kritischen Ton. Und auch der Einsatz zahlreicher internationaler Schauplätze heben die globale Dimension des Putsches von 1973 in Chile hervor. Es ist eines von Dorfmans persönlichsten Werken, da er selbst den Putsch und das Exil erlebt hat. Dieser Roman trägt zur zeitgenössischen Diskussion besonders im Kontext des 50. Jahrestags des Putsche über das historische Gedächtnis in Chile bei.