»El lado sucio de la energía limpia«

Bild: [transcript]
Erneuerbare Energien werden weltweit ausgebaut. Dies betrifft vermehrt auch indigene Gruppen, deren Lebensweisen und Weltanschauungen dadurch herausgefordert werden. So betrachten die in Mexiko lebenden Ikojts Windenergie als kontaminierend und deshalb als Bedrohung für die Ökologie ihrer Lagune. Oliver D. Liebig untersucht ihre Sichtweise und denkt das Verhältnis von Natur, erneuerbarer Energie und sozialem Leben neu – nicht zuletzt aus Sicht des Windes. Auf diese Weise entsteht ein Entwurf von erneuerbarer Energie, der diese – jenseits von einer Fixierung als Ressource – mit den lokalen Gegebenheiten in Zusammenhang stehend betrachtet.

Um die indigenen Perspektiven auf den geplanten Windpark zu verstehen, verbrachte Liebig zwischen 2013 und 2017 ein Jahr bei den Ikojts in San Dionisio und führte eine stationäre teilnehmende Beobachtung durch. Dazu führte er Interviews und offene Gespräche mit den Menschen vor Ort, aber er nahm auch ganz praktisch am Fischfang teil, bei der Feldarbeit, bei Festen und Ritualen. Sein Ziel war es, die sozialen und ökologischen Verflechtungen zu verstehen, die durch den Windpark in Bewegung geraten waren, und vor allem, wie sich die Ikojts in ihrer Umwelt wahrnehmen.

Bei spektrum.de ist dazu kürzlich auch ein Artikel von Ulrike Prinz erschienen. Der Konflikt um den Windpark ist auch einer von 25 Fallberichten in der jüngsten Veröffentlichung, dem 2019 erschienenen Report »Uncalculated Risks« (case no. 2, S. 41ff.) der Coalition for Human Rights in Development.

Gewinnertitel des Selfpublisher-Buchpreises 2020

Am 22. November wurden im Rahmen des Selfpublishing Festivals bei der Preisverleihung die Gewinnertitel des Selfpublisher-Buchpreises 2020 bekanntgegeben.

Der Gewinnertitel des ersten Selfpublishing-Buchpreises in der Kategorie Belletristik ist das Buch Was Preema nicht weiß von Sameena Jehanzeb. Die Jury betonte die Einzigartigkeit der Geschichte, die überrascht, ohne abgedreht zu sein. Ein unerwarteter Genre-Mix aus Sci-Fi und Fantasy, der mit einer erfrischenden Leichtigkeit daherkommt.

In der Kategorie Kinder- und Jugendbuch konnte „Elise erkundet das Meer von Franziska Frey die Jury überzeugen. Eine Jurorin betonte dabei die erzählerisch durchdachte Typografie in Kombination mit seiner wunderschönen Gestaltung. Ein Naturbuch, welches verzaubert und viele wertvolle Sachinformationen über das Meer bietet. Der Naturschutz wird den Kleinsten mit Liebe zum Detail illustriert erklärt.

Mit „EMOTIONIZE ME: Lieber das Herz auf der Zunge als den Stock im Arsch!nimmt Christine Hoeft den Leser mit auf eine Reise in die wunderbare Welt der Gefühle und konnte damit auch die Jury überzeugen. Die klare Sprache sowie die ansprechenden Visualisierungen zeichnen diesen Ratgeber aus. Damit legt sie in der Kategorie Sachbuch/Ratgeber ihre Grundrezepte für Emotionen als Botschaften des Unterbewusstseins offen und lässt mit der Kraft der Gefühle Träume Wirklichkeit werden.

Cervantes-Preis 2020 geht an Francisco Brines

Francisco Brines wurde mit dem vom Ministerium für Kultur und Sport verliehenen und mit 125.000 Euro dotierten Literaturpreis Premio Miguel de Cervantes 2020 ausgezeichnet. Die Entscheidung der Jury wurde vom Minister für Kultur und Sport, José Manuel Rodríguez Uribes, in Begleitung der Sekretärin der Jury, der Generaldirektorin für Bücher und Leseförderung, María José Gálvez Salvador, bei einer Zeremonie im Auditorium des Ministeriums für Kultur und Sport im Anschluss an die Sitzung der Jury des Preises bekannt gegeben.

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Antoine Bermans „produktive“ Übersetzungskritik

Bild: Éditions Gallimard

In der Ausgabe 5 der Rezensionszeitschrift zur Literaturübersetzung von August 2007 schreibt Rolf Pütter über „Pour une critique des traductions: John Donne“ des französischen Übersetzers und Übersetzungstheoretikers Antoine Berman. Dieses letzte, postum erschienene Werk, gliedert sich in zwei Teile: Im ersten stellt Berman die Grundlagen seiner Übersetzungskritik dar und beschreibt dann eine Methode der Übersetzungskritik in sechs Schritten und wendet im zweiten Teil dieses Verfahren an. Ein Ziel der Übersetzungskritik ist es, die Wesensmerkmale einer Übersetzung als eigenständiges Werk und ihre Bedeutung für das Original herauszustellen, wobei Bermans Ansatz hermeneutisch ist, da er sich explizit auf Paul Ricœur und Hans Robert Jauß beruft. Pütter stellt in seinem Beitrag die sechs Schritte des Verfahrens dar und macht deutlich, dass die von Berman eingeführte Unterscheidung zwischen Translation und Übersetzung und der zentrale Begriff des Übersetzungsprojekts zum Verständnis des Übersetzungsprozesses sehr hilfreich sind. Zudem wertet der Ansatz Bermans das Original nicht von vornherein als die überlegene Version und unterstreicht die Autonomie des Übersetzers. Dem Kritiker, der das Übersetzungsprojekt in seine Überlegungen mit einbezieht, wird bewusst, dass er sein Urteil nicht nach fertig vorgegebenen Maßstäben fällt. Zusammen mit der genauen Textanalyse von Original und Übersetzung und ihrer Gegenüberstellung führt dies zu einer Methode der Übersetzungskritik in eben diesen sechs Schritten.

2007 ist eine Übersetzung unter dem Titel „Antoine Bermans „produktive“ Übersetzungskritik. Entwurf und Erprobung einer Methode. Mit einer Übersetzung von Bermans Pour une Critique des traductions“ (Tübingen: Gunter Narr Verlag) von Irène Kuhn erschienen.

„Maternal“ von Maura Delpero

Bild: missingFILMs

»Gebenedeit ist die Frucht deines Leibes«: Die Begegnung einer Nonne und zweier Teenager-Mütter beeinflusst nachhaltig deren Leben.

Die junge Schwester Paola reist von Italien nach Buenos Aires, um ihr Noviziat zu beenden und ihr letztes Gelübde abzulegen. Sie beginnt ihre Arbeit in einem Hogar, einem religiösen Zentrum für jugendliche Mütter, und lernt dort die 17-jährigen Mädchen Lu und Fati kennen. Die beiden frühreifen Teenagerinnen hadern mit den strengen Regeln der Nonnen, die sie bei sich aufgenommen haben. Paola wiederum sieht sich mit einer Welt konfrontiert, die sie aus der Bahn wirft. Sie entwickelt starke Muttergefühle für eines der Kinder und denkt über neue Wege für sich nach.

missingFILMS bringt mit MATERNAL junges italienisches Kino auf die deutschen Leinwände. Das Spielfilmdebüt von Maura Delpero lief bereits auf zahlreichen internationalen Festivals und wurde u.a. mit Special Mention in Locarno 2019 ausgezeichnet. MATERNAL liefert einen eindrücklichen Blick darauf, was es heißt, plötzlich vom Mädchen zur Mutter zu werden. Die Regisseurin erzählt mit ihrem überwiegend weiblichen Filmteam vom Aufeinanderprallen der gegensätzlichen Welten dreier junger Frauen – und davon, wie sie sich in der Frage treffen, welche Bedeutung es für ihr Leben hat, ein Kind zu bekommen.

Rezension zu »El hombre de Rupak Tanta«

In der Zeitschrift zu hispanischer Literatur INTI Nr. 91-92 (April 2020) ist eine Rezension des Buches El hombre de Rupak Tanta von Melacio Castro Mendoza erschienen. Darin klärt Segundo Wilson Cabrera García zunächst die Herkunft der Worte Rupak und Tanta, die den Menschen an erster Stelle stellen und ins Spanische übersetzt soviel wie „der Mann des heißen Brotes“ bedeuten. Der Name des Protagonisten, Pureq Kañiwa, zeugt auf hyperbolische Weise, also in besonderer Rhetorik einen Ausdruck übertreibend, den überzeugend kulturellen Anspruch des Romans. Geschrieben zunächst in der ersten Person, wird dieser Ich-Erzähler im weiteren Verlauf zu einem Erzähler in der dritten Person. Die Ereignisse, die er erzählt, beginnen am Ufer eines Sees in einem Park, oder besser im Stadtgarten in Essen, einer Metropole im Ruhrgebiet. Als Meister des Geschicks und mit viel Fingerspitzengefühl lässt der Autor seinen Protagonisten Berge, Täler, Flüsse und andere schwierige geographische Strecken überqueren. Dessen Heimatdorf wurde durch die Unbilden der Witterung verschüttet. In Erinnerung an diesen Ort nimmt jener sich vor, ein neues Rupak Tanta zu gründen, welches als neue Welt entworfen ist. Im alten Rupak Tanta lebten oder leben auf jeden Fall drei Welten gleichzeitig zusammen.

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Absprung in die digitale Gesellschaft?

Der Verband lieferbarer Bücher (VLB) hat im Rahmen der Frankfurter Buchmesse drei sogenannte Mission Innovation Talks durchgeführt. Thema des ersten Mission Innovation Talk: Sind wir jetzt (wirklich) auf dem Absprung in die digitale Gesellschaft?

Im Jahr 2020 hat die Digitalisierung global in kurzer Zeit – unfreiwillig und ungeplant – eine gewaltige Entwicklung erfahren. Vieles was vorher undenkbar erschien, wurde in kürzester Zeit möglich gemacht. In dieser Runde wird die Frage diskutiert, wie es weitergeht: Sind Remote Work und Hybrid-Events das „New Normal“? Was bedeutet das für Digital Leadership und Arbeitsprozesse? Wie haben sich andere darauf eingestellt und was können wir als Publishing-Branche davon lernen? Mit dabei bei dieser Ausgabe:

  • Stefanie Quade, Lead Service Designer Futurice, Co-Autorin DesignAgility
  • Juliane Seyhan, Springer Gabler, Programmleiterin Management
  • Sebastian Klein, Neue Narrative (Wirtschaftsmagazin für New Work), Co-Founder
  • Matthias Weber, Alfred Herrhausen Gesellschaft, Programmleiter Frei Denken und Leiter Kommunikation
  • Kai Wels, MVB, Leiter Geschäftsbereich Digital

Das Vermächtnis der Inka

Bild: Amazon

1573. Bei Nacht und Nebel nähert sich ein geheimnisvolles schwarzes Schiff der spanischen Küste, an Bord ein Jesuit und eine Inka-Prinzessin, unterwegs in geheimer Mission. 1780. Nach Jahren fern von Madrid kehrt Sebastián de Fonseca zurück in die spanische Hauptstadt. Als der junge Militäringenieur, Spross einer verarmten Adelsfamilie, am ersten Abend das väterliche Arbeitszimmer betritt, erwartet ihn Schreckliches: Sein Vater, Juan de Fonseca, ist ermordet worden, stranguliert mit einem bizarr geknüpften Strick. Er bleibt nicht der Einzige: Nur wenige Tage später wird auch Sebastiáns Onkel, Jesuitenpater Álvaro de Fonseca, erdrosselt. Hat ihr Tod etwas mit der alten Chronik aus den ersten Jahren des Vizekönigreiches Peru zu tun, die sie zu entschlüsseln suchten? Oder mit dem seltsamen Quipu, einer roten Knotenschnur der Inka, mit der das Manuskript zugebunden ist? Zusammen mit der schönen Mestizin Umina begibt sich Sebastián auf eine abenteuerliche Reise in die Anden nach Vilcabamba, der letzten Bergfeste der Inka.

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Arbeit, Erholung und Vergnügen

Am Tag nach dem angeblich „historisch wichtigen Treffen“ zur Lage der Corona-Pandemie im Kanzleramt, wurde der Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann, im ZDF Mittagsmagazin vom 15.10.2020 (ab Minute 10:08) über die Aufhebung des Beherbergungsverbots befragt. Nach ihm müssen die Regeln beim Beherbergungsverbot für Geschäfts- und Dienstreisende insgesamt aufgehoben werden, zumal ja auch der Verwaltungsgerichtshof Mannheim gerade entschieden hatte, dass diese Regel unverhältnismäßig ist und deshalb ein solches Verbot nicht mehr umgesetzt werden kann. Dann könnten – gegen den Willen von Kretschmann – private Urlauber auch wieder nach Baden-Württemberg reisen, da wir in einem Rechtsstaat leben, in dem die Judikative (die „richterliche Gewalt“ im Staat, ausgehend von der klassischen dreigliedrigen Gewaltenteilung in Legislative, Exekutive und rechtsprechende Gewalt) das letzte Wort hat, nicht die Exekutive, so seine Erklärung.

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Kurzerzählungen IV: Erstes Bild – Der Platz – Bildnis – Schilderung einer Jugendliebe

In dem vierten Buch aus der Reihe Kurzerzählungen werden vier der cuentos von García Ponce vorgestellt, die weniger das von ihm bevorzugte und experimentelle Thema der Erotik als Auflehnung gegen das Normale beinhalten. Vielmehr geht es um Einsamkeit, eine neuartige Liebe, eine erste jugendliche Liebe sowie die Sehnsucht nach Verbotenem. García Ponce schreibt seine Kurzerzählungen in der Regel volkstümlich, ohne dabei zu sehr in die Folklore abzugleiten. Obwohl in der spanischen Rezeption vielfach die Erotik als das herausragende Merkmal seiner Kurzerzählungen gilt, lenkt diese Sichtweise sehr von dem eigentlichen historischen Wert dieses Autors für die mexikanische Literatur ab, der folgende Generationen auf unterschiedliche Weise nachhaltig geprägt hat.

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