Coronakrise: Aufruf zur Unterstützung der Verlage

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Freundinnen und Freunde,

ich hoffe, es geht Euch allen gut!

Heute Morgen habe ich mit dem Verleger eines einschlägigen Verlags in Berlin telefoniert. Die Buchverlage stehen mit dem Rücken zur Wand. Entgegen dem, was man in Zeiten der splendid isolation denken würde, sind die Bestellungen über den Auslieferer Prolit um 80% gegenüber dem Vergleichsmonat März 2019 zurückgegangen. Dramatisch ist, dass Amazon offensichtlich das Geschäft der Buchauslieferung mehr oder weniger eingestellt hat. D.h. Amazon bezieht in vielen Fällen keine weiteren Bücher von den Verlagen und zieht sich offensichtlich in der Krise aus dem Buchgeschäft (zumindest vorübergehend) raus. Da die Buchläden geschlossen sind, ist das fatal. Ich habe die entsprechenden Emails von Prolit zur Lage gesehen.

Was jetzt hilft, ist, bei den Verlagen selbst zu bestellen, um die Liquidität aufrecht zu erhalten und so die Insolvenzen abzuwenden. Und zwar massig, alles was Ihr immer mal bestellen wolltet! Sonst haben wir bald keine kleinen Verlage mehr

und wie sie alle heißen, die für uns wichtige Institutionen des Austauschs und des kulturellen Lebens sind. Vermutlich gilt das aber selbst für die größeren wie

und für die Fachverlage der Romanistik wie C. Winter, AVMNarr, Stauffenburg, Frank & Timme, Erich Schmidt und viele andere.

Ich habe ordentlich bestellt und hoffe, Sie machen mit/Ihr macht mit (bitte weiterleiten und einkaufen), im Schneeballprinzip könnte das vielleicht nützen.

Courage et bon vent!

Markus Messling

Le pays des autres

Bild: Gallimard

Der erste Band der neuen Trilogie von Leïla Slimani erzählt von Mathilde, einer Elsässerin, und Amine, einem marokkanischen Offizier, die kurz nach dem Krieg heiraten und sich in der Nähe von Meknès in Marokko niederlassen. Im Land der anderen leben beide: Nicht nur die Französin, die sich bald damit abfinden muss, dass viele der ihr absurd erscheinenden Regeln hier für Männer und Frauen in unterschiedlicher Weise gelten. Ebenso Amine, der von den Besatzern nur „Mohammed“ genannt oder herablassend geduzt wird. Während Amine versucht, ein Anwesen mit felsigen und undankbaren Böden zu erschließen, fühlt sich Mathilde bald durch das raue Klima Marokkos erstickt. Allein und isoliert auf dem Bauernhof mit ihren beiden Kindern leidet sie unter dem Misstrauen, das sie als Ausländerin hervorruft, und dem Geldmangel.

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Vida Americana: Mexican Muralists

Mexiko erlebte am Ende seiner Revolution 1920 einen radikalen kulturellen Wandel. Es entstand eine neue Beziehung zwischen Kunst und Öffentlichkeit, die eine Kunst hervorbrachte, die direkt zum Volk über soziale Gerechtigkeit und das nationale Leben sprach. Das Modell mobilisierte Künstler in den Vereinigten Staaten, die sich von der europäischen ästhetischen Vorherrschaft befreien wollten, um öffentlich bedeutende und zugängliche einheimische Kunst zu schaffen. Zahlreiche amerikanische Künstler reisten nach Mexiko, und die führenden mexikanischen Wandmaler – José Clemente Orozco, Diego Rivera und David Alfaro Siqueiro – verbrachten längere Zeit in den Vereinigten Staaten, wo sie Wandmalereien, Gemälde und Grafiken ausführten, ihre Werke ausstellten und mit lokalen Künstlern interagierten.

Mit etwa 200 Werken von sechzig mexikanischen und amerikanischen Künstlern richtet die Ausstellung Vida Americana: Mexican Muralists Remake American Art, 1925–1945 (17. Februar – 17. Mai 2020) die Kunstgeschichte neu aus, indem sie den tiefgreifenden Einfluss der mexikanischen Muralisten auf ihre Kollegen in den Vereinigten Staaten in dieser Zeit und die Art und Weise aufzeigt, in der ihr Beispiel amerikanische Künstler dazu inspirierte, sowohl epische Erzählungen über die amerikanische Geschichte und das Alltagsleben zu schaffen als auch mit ihrer Kunst gegen wirtschaftliche, soziale und rassische Ungerechtigkeiten zu protestieren.

Preis der Leipziger Buchmesse 2020

Bild: Preis der Leipziger Buchmesse

Die Preisträger für den Preis der Leipziger Buchmesse stehen fest!

Kategorie Belletristik:
Lutz Seiler: „Stern 111“.
Kategorie Sachbuch/Essayistik:
Bettina Hitzer: „Krebs fühlen. Eine Emotionsgeschichte des 20. Jahrhunderts“.
Kategorie Übersetzung:
Pieke Biermann: „Oreo“ von Fran Ross (übersetzt aus dem amerikanischen Englisch).

Der mit insgesamt 60.000 Euro dotierte Preis der Leipziger Buchmesse wird seit 2005 vergeben und ehrt herausragende deutschsprachige Neuerscheinungen und Übersetzungen in den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung. Die siebenköpfige Jury setzt sich aus deutschen Journalisten und Literaturkritikern zusammen. Unterstützt wird der Preis der Leipziger Buchmesse vom Freistaat Sachsen und der Stadt Leipzig. Partner des Preises ist das Literarische Colloquium Berlin (LCB), Medienpartner ist das Magazin buchjournal und Deutschlandfunk Kultur.

Colonia Dignidad – Aus dem Innern einer deutschen Sekte

Bild: WDR

Colonia Dignidad – eine deutsche Sekte am anderen Ende der Welt, die Menschlichkeit versprach und in der Unmenschliches geschah. Exklusiv erzählt durch das „Archiv der Hölle“ und Schilderungen aus dem Innern. Der selbst ernannte Prediger Paul Schäfer aus Bonn schart im Nachkriegsdeutschland Anhänger um sich – es sind Menschen auf der Suche nach Frieden, Hoffnung und Wohltätigkeit. Zunächst im kleinen Örtchen Gartow an der Elbe, dann in Heide bei Siegburg. Hier gründet die Gemeinschaft ein Jugendheim, das ein gottesfürchtiges Leben verspricht. 1961, im Schatten des Kalten Krieges, wandert die Gemeinschaft nach Chile aus. Rund 350 Kilometer südlich von Santiago, fernab aller Zivilisation, gründen sie die Colonia Dignidad, die „Kolonie der Würde“, und wähnen sich im Paradies. Inmitten unberührter Natur bauen sie innerhalb kurzer Zeit ein deutsches Musterdorf auf, mit Werkstätten, Landwirtschaft, Viehzucht und einem Krankenhaus für die notleidende chilenische Bevölkerung. Ein Vorbild an Solidarität und Aufrichtigkeit, so scheint es. Paul Schäfer jedoch verfolgt eine eigene Agenda. Er, der in Deutschland wegen Kindesmissbrauch gesucht wird, etabliert in Chile ein rigides System: Er zerstört Familien und lässt sein Anhänger bis tief in die Nacht arbeiten und beten. Jeder Widerstand wird im Keim erstickt. Doch dann wird Schäfer bei einem Jagdunfall lebensgefährlich verletzt.

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Ganz nebenbei eine Autobiographie

Bild: rowohlt

„Ganz nebenbei“ ist Woody Allens weitgespannter Rückblick auf das eigene Leben und Werk. Er zeichnet die Stationen seiner Karriere auf der Bühne, vor und hinter der Kamera und als Autor nach und gibt Auskunft über seine Jugend, über Familie und Freunde wie über die Lieben seines Lebens.

Soweit die Verlagsankündigung bei rowohlt, der als Erscheinungsdatum den 07.04.2020 angibt. Nun gibt der Verlag Hachette bekannt, wegen der Missbrauchsvorwürfe gegen Woody Allen habe er entschieden, die umstrittene Autobiographie des US-Filmemachers doch nicht zu veröffentlichen. Allen werde die Rechte an „Apropos of Nothing“ zurückerhalten. Und dem schließt sich offensichtlich auch rowohlt an, denn neben der Ankündigung des Erscheinungsdatums steht jetzt: „Dieses Buch wird auf unbestimmte Zeit verschoben“, obwohl die Vorwürfe gegen Woody Allen bisher nicht gerichtlich geklärt oder gar bestätigt wurden. Dass Allen die Anschuldigungen bis heute kategorisch abstreitet, es nie zu einem Gerichtsverfahren kam und dass Aussage gegen Aussage steht, spielt dabei wohl eher keine Rolle.

Verlorenes Manuskript der Inkas

Bild: Biblioteca Nacional del Perú

Durch die Erzählungen von Justo Apu Sahuaraura Inca lässt sich ein Teil der Geschichte Perus nachvollziehen. Nach mehr als einem Jahrhundert des Verschwindens hat die Nationalbibliothek von Peru (Biblioteca Nacional del Perú, BNP) nach intensiven Verhandlungen das Manuskript Recuerdos de la monarquía peruana o bosquejo de la historia de los incas zurückerhalten, das am 20. Februar im Rahmen des von der Institution organisierten Programms für Geschichte und peruanische Kunst 2020 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Der Wert dieses Dokuments aus dem Jahr 1838 ist unschätzbar. Sahuaraura Inca war einer der großen Forscher des 19. Jahrhunderts, dessen Arbeit der Rettung des Inkagedächtnisses gewidmet war. Der Autor konsultierte die – heute verblichenen – Dokumente jener Zeit, anhand derer er die Anfänge der peruanischen Kultur bis zur Ankunft der Spanier darstellte.

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Berlinale 2020: „Country in Focus“ Chile

In wenigen Tagen wird Chile zum Protagonisten der vierten Edition des „Country in Focus“ auf dem European Film Market. Dieser große audiovisuelle Markt der Berlinale bringt Produzenten, Distributoren und Repräsentanten der weltweiten Filmindustrie zusammen. Chile wird als erstes Land Südamerikas Teil dieser speziellen Sektion sein, deren Ziel es ist, die Filmindustrie eines bestimmten Landes zu fördern und ihm eine spezielle Plattform zu bieten. Die Initiative soll die bilateralen Beziehungen zwischen dem chilenischen und dem deutschen Kino stärken, da zwischen beiden Ländern ein Abkommen über audiovisuelle Koproduktionen unterzeichnet wurde, das im Laufe des Jahres in Kraft treten soll.

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Chankillo als Weltkulturerbe

Chankillo
Bild: Projekt Chankillo

Die Nominierung von Chankillo, dem über 2.300 Jahre alten Observatorium in Peru, das zum Weltkulturerbe erklärt werden soll, ist aufgrund des mangelnden Engagements des Staates gefährdet.

Nur wenige Orte auf der Welt besitzen die Eigenschaften von Chankillo. Diese archäologische Stätte in der Provinz Casma (Áncash) gilt als das älteste Sonnenobservatorium Amerikas mit einer mehr als 2.300-jährigen Geschichte. Im Gegensatz zu anderen astronomischen Komplexen erlaubt seine Struktur – mit einem Haupttempel und 13 Türmen auf einem Hügel – die Bewegung der Sonne an jedem Tag des Jahres zu sehen. Die beschriebenen Qualitäten haben ihm die Anerkennung von Archäologen auf der ganzen Welt eingebracht und reichten dem Kulturministerium aus, um Anfang 2019 eine Bewerbung zur Aufnahme in die UNESCO-Welterbeliste abzugeben. Einige Monate vor Abschluss dieses Prozesses besteht jedoch das Risiko, dass Chankillo die Nominierung aufgrund des mangelnden Engagements der Regierung nicht erreichen wird.

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Roland Barthes von Ottmar Ette

Die Barthes’sche Definition der Literatur als permanente Kraft einer Revolution des Sprechens (und Hörens) ist tief eingesenkt in ein Dreieck, das […] von der Last (der mit der Sprache verbundenen Zwänge), der List (der in ihr möglichen Sprachspiele) und der Lust (einer daraus zu entwickelnden erotisierenden Ästhetik) gebildet wird. Barthes selbst unterscheidet im Anschluss an Essays der 1970er Jahre, aber auch an Roland Barthes von Roland Barthes darüber hinaus drei Kräfte der Literatur, die er als Mathesis, Mimesis und Semiosis bezeichnet: eine Unterscheidung zwischen verschiedenen Wissensbereichen, die aber sogleich wieder relativiert, ja unterlaufen wird, sei eine »Dekonstruktion der Linguistik« – so der frischgebackene Inhaber des für ihn erfundenen Lehrstuhls für literarische Semiologie – doch fortan vordringlich […]. […]

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