Deportes: The Making of a Sporting Mexican Diaspora

Das Buch Deportes: The Making of a Sporting Mexican Diaspora umspannt die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts und enthüllt die verborgenen Erfahrungen mexikanischer Sportlerinnen und Sportler, Mannschaften und Ligen sowie ihrer Unterstützer, die auf beiden Seiten der Grenze für mehr Gleichberechtigung kämpften. Trotz der weit verbreiteten Meinung, dass Mexikaner körperliche Betätigung, Teamwork oder „guten Sportsgeist“ mieden, bewiesen sie, dass sie in einer Vielzahl von Sportarten auf Amateur-, semiprofessionellem, olympischem und professionellem Niveau mithalten konnten. Einige machten sich sogar einen Namen in der Sportwelt, indem sie als „erste“ mexikanische Sportler die großen Ligen erreichten und olympische Medaillen oder Weltmeistertitel im Boxen und Tennis errangen.

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Ein völlig eigenständiges Begehren

Der erotische Roman Geschichte der O (fr. Originaltitel: Histoire d’O) von Anne Cécile Desclos, die ihn unter dem Pseudonym Pauline Réage veröffentlichte, erschien im Jahr 1954, übte auf die Entwicklung der erotischen Literatur großen Einfluss aus und ist wohl einer der bekanntesten  Romane der Welt mit sadomasochistischen Beschreibungen. Trotz der mangelnden Wirksamkeit von Techniken zur Gehirnwäsche sollte man über die in diesem Buch vorliegende Interpretation der Welt und den Wert dieser Sichtweise als physische und spirituelle Erfahrung nachdenken. Eine der Schlüsselszenen ist die Beschreibung, in der René seine Geliebte O, die erfolgreiche Pariser Modefotografin, zu Sir Stephen führt und sie im Namen ihrer Liebe zu René gehorcht, doch als sie mit Sir Stephen alleine ist, entdeckt sie, dass der Akt der Prostitution neben der Liebe ein völlig eigenständiges Begehren weckt, in dem nicht mehr René und der Gehorsam seinem Willen gegenüber präsent sind, sondern Sir Stephen und die Intensität der Empfindungen, die O durch ihre Scham und ihr Begehren in ihrem Körper spürt.

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Nekropolitik in Mexiko

Nach Foucault zeichnet sich die Moderne durch die Ersetzung des nekropolitischen Verständnisses der Souveränität durch die biopolitische Verwaltung der Bevölkerung aus. Allerdings ist die foucaultsche Idee der Biomacht als ein Gefüge aus Disziplinierungsmacht und Biopolitik laut Achilles Mbembe nicht ausreichend in der Lage, die modernen Formen der Unterwerfung zu erklären: Sie lässt den Fortbestand nekropolitischer Techniken innerhalb liberaler Demokratien außer Acht und unterschätzt die zentrale Bedeutung kolonialer Sklaverei als Bedingung der Möglichkeit für die Entwicklung des westlichen Kapitalismus. Die Macht der Souveränität tritt durch die Schaffung von Zonen des Todes in Kraft, in denen der Tod zur ultimativen Ausübung von Herrschaft und zur primären Form des Widerstands wird. Nekromacht ist zum Schlüsselkonzept für die Erkenntnis einer verallgemeinerten Instrumentalisierung des Lebens und der materiellen Zerstörung der Erde im globalen postkolonialen Zustand geworden.

Im Mandelbaum Verlag ist kürzlich ein Buch von Timo Dorsch erschienen, das genau diese Nekropolitik in Mexiko thematisiert. Im Kontext wuchernder Drogenkriege, wirtschaftlicher Gewalt auf der Grundlage einer Verschuldungspolitik, Rassismus, Sexismus, neokolonialer Besetzung, Masseneinsperrungen, ökologischer Ausbeutung, Einschränkungen des Rechts auf Migration und kultureller Zerstörung wirft Dorsch einen Blick auf den Neoliberalismus, den Staat und das organisierte Verbrechen in Mexiko. Als ein G20-Land und ­beliebtes internationales Reiseziel, das seit fast einem Jahrhundert über ein mehr oder weniger funktionierendes demokratisches Regierungssystem verfügt, stellt sich die Frage, ob bei einem Blick auf den Krieg gegen die Drogen, das Drogengeschäft auch heute noch der einzige Wirschaftszweig des organisierten Verbrechens ist. Mexiko muss sich die Frage gefallen lassen, wie überhaupt diese Gleichzeitigkeit zwischen staatlicher Demo­kratie, organisiertem Verbrechen und Gewalt möglich ist. In Nekropolitik geht Timo Dorsch diesem Phäno­men der scheinbaren Widersprüchlichkeit auf den Grund und unternimmt eine systematische Deutung der unzähligen Geographien der Gewalt, in denen die Nekropolitik vorherrscht.

Kurzerzählungen VII: Amelia – Die Nacht – Nach der Verabredung

In dem siebten und letzten Buch aus der Reihe Kurzerzählungen werden drei der cuentos von García Ponce vorgestellt, die diesmal nicht das von ihm bevorzugte und experimentelle Thema der Erotik als Auflehnung gegen das Normale beinhalten. Vielmehr geht es hier um Einsamkeit, Schuld und Selbstreflektion. García Ponce schreibt seine Kurzerzählungen in der Regel volkstümlich, ohne dabei zu sehr in die Folklore abzugleiten. Obwohl in der spanischen Rezeption vielfach die Erotik als das herausragende Merkmal seiner Kurzerzählungen gilt, lenkt diese Sichtweise sehr von dem eigentlichen historischen Wert dieses Autors für die mexikanische Literatur ab, der folgende Generationen auf unterschiedliche Weise nachhaltig geprägt hat.

Buch bei Amazon.

The Family of Man

Bild: e-Shop Steichen Collection

In Jahr 1955 fand unter der Leitung von Edward Steichen im The Museum of Modern Art (MoMA) in New York eine grandiose Fotoausstellung statt. Sie galt als die öffentliche Anerkennung, dass auch die Fotografie in den Museen ankommen sollte.

Für die Auswahl der Bilder, die Teil dieser Ausstellung waren, benötigte Steichen drei Jahre. Er und seine Assistenten analysierten mehr als eine Million Fotografien aus der ganzen Welt und zeigten schließlich 503 Fotografien aus 68 Ländern und von 273 berühmten und unbekannten Fotografen: Männern und Frauen, Amateuren und Profis. Die Ausstellung folgte dabei dem Ansatz, sich auf eine Reise durch das Leben des Menschen von der Geburt bis zum Tod zu konzentrieren, wobei alle Phasen und Ereignisse durchlaufen werden: Geburt, Kindheit, Ausbildung, Jugend, Arbeit, Reife, Gesundheit, Ehe, Alter, Freude, Trauer, Tod, …

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Hombres, los odio

Bild: rowohlt

Nach der Veröffentlichung des Buches „Moi les hommes, je les déteste“ (in Deutschland unter dem Titel „Ich hasse Männer“ bei Rowohlt erschienen), einem Essay von Pauline Harmange über Misandrie, und welcher mehr ist als die bloße Aufforderung, alle Männer zu hassen, entbrannte letztes Jahr eine hitzige Debatte, vor allem in Frankreich (unter anderem hat auch die taz darüber berichtet). Der Duden deutet Misandrie als „krankhafter Hass von Frauen gegenüber Männern“, auch wenn Alice E. Marwick und Robyn Caplan in Drinking male tears: language, the manosphere, and networked harassment (erschienen in: „Feminist Media Studies“. Band 18, Nr. 4. S. 553, 2018) die misandry als eine Abneigung gegen Männer oder eine Verachtung für Männer bzw. eine Reihe tief verwurzelter Vorurteile gegenüber Männern bezeichnen. Der Titel solle als Aufforderung, Männer zu hassen, verstanden werden und sei der Autorin durchaus ernst: „Erst das völlige Ignorieren von Männern, deren Ansprache auch immer etwas Belehrendes […] habe, deren Versuche, charmant zu sein, herablassend wirken, könnte die Gesellschaft endlich verändern“, so die taz.

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Hispanoamerika wird im Spanisch-Unterricht stark vernachlässigt

Was schon vor Jahren bei einer Morphosyntax-Klausur am Institut für Romanistik der Ruhr-Universität Bochum für Unverständnis gesorgt hat, wird durch die von Univ.-Prof. Dr Elissa Pustka und die Univ.-Ass. Linda Bäumler an der Universität Wien gerade durchgeführte Umfrage unter 264 Studienanfängern bestätigt: Wer in der Klausur das Wort „Kühlschrank“ mit „refrigerador“ (sp. aus Mexiko) übersetzt hat, bekam einen Fehler angestrichen, da die angeblich korrekte Antwort „frigorífico“ (sp. aus Spanien) lautete.

Die aktuelle Umfrage belegt, dass sich der Spanischunterricht in Österreich und Deutschland nach wie vor vorwiegend auf Spanien konzentriert, obwohl Spanisch als sogenannte plurizentrische Sprache mit vielfältigen Normen betrachtet wird und die Lehrpläne eigentlich die Berücksichtigung von Sprachvariation einfordern. Dieser auf Spanien konzentrierte Input zeigt sich ebenso deutlich in der Fähigkeit der Studienanfänger, regionale Unterschiede in der gehörten Sprache zu erkennen: Ein im Rahmen der Umfrage durchgeführter Perzeptionstest zeigt, dass der Madrider Akzent am besten identifiziert wird, wogegen nur 26 Prozent der Befragten den Akzent von Mexiko kennen – des immerhin mit Abstand größten spanischsprechenden Landes der Welt, mit mehr als einem Viertel aller Sprecher weltweit (ca. 113 von 442 Millionen). Der Großteil der Befragten gab im Gegensatz dazu an, im Laufe ihres Spanischstudiums vor allem die hispanoamerikanischen Varietäten kennenlernen zu wollen, allen voran Mexiko, gefolgt von Argentinien und Peru. Die Ergebnisse dieser Umfrage zeigen ganz deutlich, dass Schüler so früh und so viel wie möglich mit authentischen Materialien der spanischen Sprache aus aller Welt in Kontakt kommen sollten. Auch im Universitätsstudium sollte auf einen angemessenen Anteil hispanoamerikanischer Lehrender und Themen gesetzt und der immer noch latente Eurozentrismus endlich abgebaut werden.

Geschlechtergerechte Schreibung

In seiner Pressemitteilung vom 26.03.2021 hat der Rat für deutsche Rechtschreibung einmal mehr seine Auffassung bekräftigt, dass die geschlechtergerechter Sprache eine gesellschaftliche und gesellschaftspolitische Aufgabe ist, die nicht allein mit orthografischen Regeln und Änderungen der Rechtschreibung gelöst werden kann. Geschlechtergerechte Schreibung darf das Erlernen der geschriebenen deutschen Sprache nicht erschweren (Lernbarkeit), zumal geschlechtergerechte Texte sachlich korrekt, verständlich und lesbar sein sollen, Rechtssicherheit und Eindeutigkeit gewährleisten müssen und für die Lesenden bzw. Hörenden die Möglichkeit zur Konzentration auf die wesentlichen Sachverhalte und Kerninformationen sicherstellen sollten. Vor allem bei der Nutzung von Gender-Stern, Gender-Gap (Unterstrich), Doppelpunkt und anderen verkürzten Zeichen, die innerhalb von Wörtern eine „geschlechtergerechte Bedeutung“ zur Kennzeichnung verschiedener Geschlechtsidentitäten signalisieren sollen, werden die Kriterien geschlechtersensibler Schreibung in den letzten Jahren bei in manchen Bereichen, vor allem in Kommunen und an Hochschulen, verfügten Vorgaben zur geschlechtergerechten Schreibung nicht erfüllt. Da diese Zeichen in der geschriebenen Sprache auch noch andere Bedeutungen, z. B. als Satzzeichen, typografische Zeichen oder informatik- und kommunikationstechnische Zeichen haben, beeinträchtigt ihre Nutzung innerhalb von Wörtern die Verständlichkeit, Vorlesbarkeit und automatische Übersetzbarkeit sowie vielfach auch die Eindeutigkeit und Rechtssicherheit von Begriffen und Texten. Die Nutzung stellt demnach in letzter Konsequenz einen Rechtschreibfehler dar und kann daher laut dem Rat für deutsche Rechtschreibung nicht in das Amtliche Regelwerk mit aufgenommen werden.

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Zusammen haben wir Geschichte geschrieben

Bild: Amazon

Tatiana Clouthier hält in ihrem Buch Juntos hicimos historia (Grijalbo 2019) in der ersten Person fest, was sie im Jahr 2018 im Präsidentschaftswahlkampf von Andrés Manuel López Obrador (AMLO) gesehen, erlebt und geschaffen hat.

Dabei wird sie nach eigenen Aussagen nicht müde, dem Leben zu danken, dass es sie vor diese historische Herausforderung gestellt hat: eine mehr von denjenigen zu sein, die Mexiko friedlich und demokratisch verändert hat.

In dem Text erzählt sie, wie sie diese fast 150 Tage zwischen Müdigkeit, Freude, Spannungen und Ängsten erlebt hat. Außerdem zeigt sie den Prozess, dem sie gefolgt ist, indem sie ausdrückt, wie sie sich all dem gestellt hat. Und weil es eine persönliche Erfahrung war, konnte sie vielleicht auch andere dazu bewegen, das Gleiche zu tun.

Das Buch von Tatiana Clouthier ist etwas ganz Neues, denn das erste, was einem auffällt, ist eine vollkommene, vielleicht etwas krasse Aufrichtigkeit. Und das stellt sie als Augenzeugin vor die prüfenden Blicke, so wie sie ist, mit ihren Erfolgen und ihren Stolpersteinen. Zumindest gibt sie der Politik den alten Zustand des öffentlichen Handelns zurück: Das transparent zu machen, was man denkt und kongruent zu sein zwischen dem, was man sagt und dem, was man tut. Daher wird man weder zwischen den Zeilen lesen müssen, was gemeint ist, noch wird eine Eingebung oder der Argwohn benötigt, um zu erkennen, welche Ideen oder Absichten jenseits der Worte stecken. Das, was gesagt wird, kann also als direkter Ausdruck genommen werden, auch wenn manches sehr deutlich angesprochen wird.

Zensur an Hochschulen

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) hat in einem Artikel vom 27.02.2021 auf die auch an Hochschulen immer weiter um sich greifende „Cancel Culture“ hingewiesen. Dort geht es um eine Vorlesung des Wirtschaftshistorikers Gregory Clark mit dem Titel For Whom the Bell Curve Tolls: A Lineage of 400.000 Individuals 1750–2020 Shows Genetics Determines Most Social Outcomes. Laut FAZ soll „[a]us Sicht des Dekans der Glasgower Business School […] der Titel eine Anspielung auf das Buch „The Bell Curve“ des amerikanischen Sozialwissenschaftlers Charles Murray und des Harvard-Psychologen Richard Herrnstein [sein], das Mitte der neunziger Jahre eine scharfe Kontroverse auslöste, weil Murray und Herrnstein darin über die Verteilung und Vererbbarkeit von Intelligenz sowie IQ-Unterschiede zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen schrieben. Dies wurde als rassistisch skandalisiert“. Da das umstrittene Buch an der Hochschule nicht erwähnt werden solle, wurde Clark vom Dekan gedrängt, die Worte „Bell Curve“ aus dem Titel seiner Vorlesung zu streichen, weigerte sich aber, weshalb die Vorlesung kurzerhand ganz abgesagt wurde.

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