Arbeit, Erholung und Vergnügen

Am Tag nach dem angeblich „historisch wichtigen Treffen“ zur Lage der Corona-Pandemie im Kanzleramt, wurde der Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann, im ZDF Mittagsmagazin vom 15.10.2020 (ab Minute 10:08) über die Aufhebung des Beherbergungsverbots befragt. Nach ihm müssen die Regeln beim Beherbergungsverbot für Geschäfts- und Dienstreisende insgesamt aufgehoben werden, zumal ja auch der Verwaltungsgerichtshof Mannheim gerade entschieden hatte, dass diese Regel unverhältnismäßig ist und deshalb ein solches Verbot nicht mehr umgesetzt werden kann. Dann könnten – gegen den Willen von Kretschmann – private Urlauber auch wieder nach Baden-Württemberg reisen, da wir in einem Rechtsstaat leben, in dem die Judikative (die „richterliche Gewalt“ im Staat, ausgehend von der klassischen dreigliedrigen Gewaltenteilung in Legislative, Exekutive und rechtsprechende Gewalt) das letzte Wort hat, nicht die Exekutive, so seine Erklärung.

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Kurzerzählungen IV: Erstes Bild – Der Platz – Bildnis – Schilderung einer Jugendliebe

In dem vierten Buch aus der Reihe Kurzerzählungen werden vier der cuentos von García Ponce vorgestellt, die weniger das von ihm bevorzugte und experimentelle Thema der Erotik als Auflehnung gegen das Normale beinhalten. Vielmehr geht es um Einsamkeit, eine neuartige Liebe, eine erste jugendliche Liebe sowie die Sehnsucht nach Verbotenem. García Ponce schreibt seine Kurzerzählungen in der Regel volkstümlich, ohne dabei zu sehr in die Folklore abzugleiten. Obwohl in der spanischen Rezeption vielfach die Erotik als das herausragende Merkmal seiner Kurzerzählungen gilt, lenkt diese Sichtweise sehr von dem eigentlichen historischen Wert dieses Autors für die mexikanische Literatur ab, der folgende Generationen auf unterschiedliche Weise nachhaltig geprägt hat.

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Perplejidades – Sergio Astorga

Quarks Ediciones Digitales hat ein Buch unter dem Titel Perplejidades von Sergio Astorga mit Minigeschichten (span. microrrelatos) herausgegeben. Das Wort Perplejidades steht für Verwirrungen, kann aber auch die Bestürzung ausdrücken, die sich in den verschiedensten Zusammenhängen einstellen kann. Dies lässt sich in den vielen kleinen Texten, die in diesem Buch zusammengefasst sind, sehr schön nachvollziehen. Die zunächst nur digital erschienene Version kann gemeinfrei bei dem Verlag heruntergeladen werden. Später wird der Verlag aus Peru darüber entscheiden, ob es auch eine Druckversion entweder der ganzen Reihe oder doch zumindest einzelner Exemplare geben wird.

Sergio Astorga, der in Mexiko geboren wurde, derzeit aber in Porto (Portugal) lebt, ist ein bildender Künstler, mit allem, was diese beiden Worte implizieren. Astorga arbeitet als Maler, Dichter oder Geschichtenerzähler und ist ein großer Liebhaber von Kunst und Wissenschaft. Astorga hat einen Abschluss in grafischer Kommunikation von der Escuela Nacional de Artes Plásticas der Universidad Nacional Autónoma de México (UNAM).

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Sprachakademie Argentinien: „lenguaje inclusivo“

Bei der geschlechtergerechten Sprache (‘lenguaje inclusivo’) müssen laut der Argentinischen Sprachakademie zwangsläufig zwei Wege beschritten werden: der sprachliche und der gesellschaftspolitische. Eine Sprache, ein linguistischer Sprachkörper, kann nicht bewusst von heute auf morgen erfunden oder neu erfunden werden. Die Buchstaben ‘a’ und ‘o’, die das Geschlecht unterscheiden, können nicht durch das ‘@’, das ‘*’, das ‘e’ oder das ‘x’ ersetzt werden, nur weil man dies gegen die männliche Sichtweise tun oder damit eine gesellschaftspolitische Realität abbilden möchte. Dieses Ersetzen ist der Morphologie des Spanischen fremd und völlig unnötig, da das generische Männliche oder grammatikalisch Maskuline bereits inklusiv ist, erfüllt es doch diese Funktion bereits als unmarkierter Begriff der Geschlechteropposition. Wenn man sagt: «Los hombres no son inmortales» („die Menschen sind nicht unsterblich“) oder «El hombre no es inmortal» („der Mensch ist nicht unsterblich“), bezieht sich dieses Substantiv ‘hombre’ (Mann/Mensch), im Singular oder im Plural, auf alle Menschen, Frauen und Männer, denn wenn es sich nur auf Männer beziehen würde, wäre es möglich, dass Frauen unsterblich wären und ewig leben würden.

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Europa+ (Europa Más)

Europa+ (Europa Más) streamt ab sofort die neuesten und beliebtesten Fernsehserien aus ganz Europa an ein Publikum in ganz Lateinamerika und der Karibik. Europa+ wurde für europäische Expatriates, Lateinamerikaner europäischer Abstammung und die große Gemeinschaft derer, die sich für die europäische Kultur in der gesamten Region begeistern, entwickelt und bietet den Zuschauern eine Vielzahl der neuesten und besten europäischen Sendungen, um sie mit den Wurzeln, der Kultur und den Vorlieben in Verbindung zu bringen. Der Dienst erstellt eine kuratierte Liste von Programmen aus den Bibliotheken bekannter europäischer Produzenten von Inhalten wie BBC Studios, Studio Canal, TF1, ZDF, NordicWorld, Studio 100, Spiegel und Mediaset. Die Programme werden werbefrei, in High Definition und in ihrer Originalsprache präsentiert – alle mit Untertiteln, die meisten davon in Spanisch und Englisch untertitelt. Europa+ ist ein Over-the-top-Digitalvideo-Abonnementdienst, der dem in Mexiko-Stadt ansässigen Investmentfonds Innokap und der in Atlanta ansässigen Castalia Communications Corporation gehört und von diesen betrieben wird.

Don Juan ist ein Spanier: ein Anarchist

Das Spanische – man kann es vernachlässigen, aber nie wird man Don Juan in ein anderes, ein bestimmtes, beispielsweise ein deutsches oder angelsächsisches oder slawisches Kostüm stecken, man versuche es, um daran zu erfahren, wie sehr Don Juan, ungeachtet unsrer Ausdeutung, im Grunde eine spanische Kreation ist und bleibt. Der Spanier […] kennt kein Vielleicht, kein Sowohl-Als-Auch, nur Ja oder Nein. Er kennt ja auch nur zweierlei Wein, roten oder weißen; er kennt keine Nuancen. Das hat etwas Großartiges bis in den Alltag hinein. Was ausfällt, ist das Zögern, das Vermengen, das Vermitteln; aber auch die Fülle der Übergänge. Was ausfällt, ist die seelische Mitte, das Gemüt, insofern auch das Mitleid, das kleine wie das große, fast möchte man sagen: die humane Liebe. Wenn der Spanier sagt: Ich liebe dich! so heißen die gleichen Worte: Ich will dich! Und sein Mut, wie er ja auch zu Don Juan gehört, erscheint uns oft als pure Geste, womit ein fatalistischer Mensch, einsam unter der kahlen Bläue des spanischen Himmels, sich selbst unterhält: Tod oder Leben, was tut es! Auch ihre Tänze haben ja das Trotzige, Hochmütige, Herausfordernde; Stimmung wird wie etwas Unwürdiges abgeschüttelt, mit Füßen zerstampft, unwirsch, geradezu hönisch, und wie leidenschaftlich ihr Tanz auch werden mag, nie endet er in Rausch, nie in der Wonne der Auflösung, im Gegenteil: im Triumph über den Rausch, in einer Pose des Völlig-Gefaßten, abrupt. Und stolz, versteht sich; dabei hat ja der Stolz immer etwas Leeres, etwas Ersatzhaftes. Lust am Leben? Größer ist die Lust am Bezwingen, spanischer.

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XXIX. Reina Sofía-Preis für iberoamerikanische Poesie 2020

Bild: Premio Reina Sofía de Poesía Iberoamericana

Der Dichter Raúl Zurita (70) wurde mit dem XXIX. Reina Sofía-Preis für iberoamerikanische Poesie ausgezeichnet, der von der staatlichen spanischen Organisation „Patrimonio Nacional“ in Zusammenarbeit mit der Universität von Salamanca (USAL) vergeben wird. Raúl Zurita ist nach Gonzalo Rojas (1992) und Nicanor Parra (2001) der dritte Chilene, der diese Auszeichnung erhalten hat.

Die Bekanntgabe von Zurita als Gewinner erfolgte via YouTube aus dem Königspalast in Madrid. „Der Preis würdigt seine Arbeit, sein poetisches Beispiel für die Überwindung von Schmerz: mit Versen, mit Worten, die dem Leben, der Freiheit und der Natur verpflichtet sind“, sagte der Präsident von „Patrimonio Nacional“, Llanos Castellanos, und verwies auf das jahrelange Parkinsonleiden des chilenischen Dichters. Nachdem sich die Jury aufgrund der COVID-19-Pandemie digital versammelt hatte, führte Castellanos einen von Zuritas Gedichten als Beispiel dafür an, wie man der Krise der Pandemie begegnen könne.

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Longlist des Selfpublishing-Buchpreises

Die Longlist des Selfpublishing-Buchpreises steht jetzt fest! In einem spannenden Livestream haben Tom Oberbichler, Monika Augustin und Julia Meier gestern Abend die Longlist-Kandidat:innen bekannt gegeben. Aus insgesamt 1501 Einsendungen (846 davon im Bereich Belletristik, 308 in der Kategorie Kinder- und Jugendbücher und 347 Sachbücher und Ratgeber) haben es 30 starke Titel in die engere Auswahl geschafft.

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Knochen in der Wüste

Der Ort: Ciudad Juárez, im Bundesstaat Chihuahua, an der Grenze von Mexiko zu den Vereinigten Staaten. Die Geschichte (Sergio González Rodríguez: Huesos en el desierto. Barcelona: Editorial Anagrama, 2002) schildert eine absolut reale Welle brutaler Verbrechen. Diese journalistische Chronik untersucht die barbarischen Serienmorde, die in dieser Gegend begangen und Jahr für Jahr wiederholt werden, darunter auch an Mädchen, die vergewaltigt und gefoltert und deren Leichen in der Wüste entsorgt werden. Eine Blutspur, die zu einem Netz der Komplizenschaft und des Schweigens zwischen Mördern, Polizei, lokalen Behörden, prominenten Bürgern und der Regierung von Mexiko auf höchster Ebene führt. Ein Buch, das eine erschreckende Realität anprangert.

Sergio González Rodríguez (Mexiko-Stadt, 1950-2017), war ein mexikanischer Journalist und Schriftsteller, der zahlreiche Auszeichnungen erhielt: Neben dem Preis für Meinungsfreiheit in Lateinamerika der Casa Amèrica Catalunya 2013 (Premio Libertad de Expresión) den Fernando Benítez Nationalpreis für Kulturjournalismus, mit dem er seine Trilogie, die dem Studium extremer Phänomene in den heutigen Gesellschaften gewidmet ist, mit Campo de Guerra abschloss, und der mit diesem erschütternden Bericht über die in Ciudad Juárez ermordeten Frauen begann, gefolgt von seiner Interpretation der Enthauptungen und rituellen Gewaltanwendung durch kriminelle Gruppen in El hombre sin cabeza (2009).

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Eine Komödie der Verstrickungen

Im August 2018, noch vor seiner Amtszeit als gewählter Präsident, ernannte Andrés Manuel López Obrador (AMLO) Margo Glantz, eine Schriftstellerin mit zahlreichen Referenzen, zur Nachfolgerin von José Carreño Carlón in der Position des Generaldirektors des Fondo de Cultura Económica (FCE). Am 3. Oktober wurde jedoch ein Video ausgestrahlt, das am Vortag aufgenommen worden war und in dem AMLO mitten in einer Kundgebung Paco Ignacio Taibo II dieselbe Position vorschlug. Das Video wurde in den sozialen Netzwerken weit verbreitet, und Margo Glantz stellte in einem Tweet klar, dass sie bereits am 3. September ihr Rücktrittsschreiben mit der Begründung persönlicher Gründe zur Post gegeben hatte. Am 4. Oktober lud der Autor von Días de combate ein weiteres Video hoch, in dem er ankündigte, dass er das Mandat des Präsidenten angenommen hatte.

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