Dieses Buch, das ursprünglich als Masterarbeit im Fach Rechtswissenschaften an einer renommierten kanadischen Universität anerkannt wurde, befasst sich mit einem der drängendsten Themen unserer Zeit – dem Verbrechen des Völkermords – und der Frage, ob tatsächlich davon ausgegangen werden kann, dass ein solcher im Zusammenhang mit den vielen Völkern der Ureinwohner auf „Great Turtle Island“ stattgefunden hat, das heute von einem Staat namens Kanada beansprucht wird. Suffer the Littel Children. Genocide, Indigenous Nations and the Canadia State wurde von vielen indigenen und anderen Wissenschaftlern, die sich mit diesem Thema beschäftigen, als bahnbrechend gelobt und hat nicht nur Auswirkungen auf Kanada, sondern auch auf Staaten weltweit, in denen eingeschlossene indigene Völker von der Absorption durch einen dominierenden Kolonialstaat bedroht sind.
Tamara Starblanket beleuchtet die Rolle Kanadas bei der Streichung des kulturellen Völkermords aus der Völkermordkonvention (Übereinkommen über die Verhütung und Bestrafung des Völkermords), obwohl das Verschwinden einer indigenen Nation durch erzwungene Assimilation von vielen Staaten als ebenso völkermörderisch angesehen wurde wie die Vernichtung durch Massaker. Hat Kanada versucht, die Definition des Völkermords so anzupassen, um sich seinen eigenen Verbrechen zu entziehen, die damals sogar noch andauerten? Damit ein Verbrechen als Völkermord im Sinne des geltenden Völkerrechts gilt, muss die komplexe Frage der mens rea (nicht nur die Begehung einer Straftat, sondern die spezifische Absicht dazu) geklärt werden. Dieses Buch ermöglicht es den Lesern, sich ein Urteil darüber zu bilden, ob dies der Fall war.
Starblanket untersucht, wie Völkermord in Kanada umgesetzt wurde, wobei der Schwerpunkt vor allem auf der Unterbrechung der generationsübergreifenden Weitergabe von Kultur von den Eltern an die Kinder lag. In dem Bestreben, die neuen Generationen in eine andere kulturelle Identität – englischsprachig, christlich, angelsächsisch, als „kanadisch“ bezeichnet – zu integrieren, entzog Kanada den Eltern ihre Kinder und überwachte sowie erzwang die Aushöhlung ihrer kulturellen Überzeugungen, Sprachen und Traditionen, um diese durch diejenigen zu ersetzen, die vom entstehenden kanadischen Staat gerade erst etabliert wurden.