Antoine Bermans „produktive“ Übersetzungskritik

Bild: Éditions Gallimard

In der Ausgabe 5 der Rezensionszeitschrift zur Literaturübersetzung von August 2007 schreibt Rolf Pütter über „Pour une critique des traductions: John Donne“ des französischen Übersetzers und Übersetzungstheoretikers Antoine Berman. Dieses letzte, postum erschienene Werk, gliedert sich in zwei Teile: Im ersten stellt Berman die Grundlagen seiner Übersetzungskritik dar und beschreibt dann eine Methode der Übersetzungskritik in sechs Schritten und wendet im zweiten Teil dieses Verfahren an. Ein Ziel der Übersetzungskritik ist es, die Wesensmerkmale einer Übersetzung als eigenständiges Werk und ihre Bedeutung für das Original herauszustellen, wobei Bermans Ansatz hermeneutisch ist, da er sich explizit auf Paul Ricœur und Hans Robert Jauß beruft. Pütter stellt in seinem Beitrag die sechs Schritte des Verfahrens dar und macht deutlich, dass die von Berman eingeführte Unterscheidung zwischen Translation und Übersetzung und der zentrale Begriff des Übersetzungsprojekts zum Verständnis des Übersetzungsprozesses sehr hilfreich sind. Zudem wertet der Ansatz Bermans das Original nicht von vornherein als die überlegene Version und unterstreicht die Autonomie des Übersetzers. Dem Kritiker, der das Übersetzungsprojekt in seine Überlegungen mit einbezieht, wird bewusst, dass er sein Urteil nicht nach fertig vorgegebenen Maßstäben fällt. Zusammen mit der genauen Textanalyse von Original und Übersetzung und ihrer Gegenüberstellung führt dies zu einer Methode der Übersetzungskritik in eben diesen sechs Schritten.

2007 ist eine Übersetzung unter dem Titel „Antoine Bermans „produktive“ Übersetzungskritik. Entwurf und Erprobung einer Methode. Mit einer Übersetzung von Bermans Pour une Critique des traductions“ (Tübingen: Gunter Narr Verlag) von Irène Kuhn erschienen.