Comité Cerezo México

Antonio Cerezo: „Wenn die Zivilgesellschaft sich nicht organisiert und Druck ausübt, wird sich im Land nichts ändern“

Das Comité Cerezo

Das Comité Cerezo wurde 2001 in Mexiko-Stadt gegründet, als die Brüder Antonio (damals 23 Jahre), Alejandro (19) und Héctor (21) Cerezo und der Nahuatl-indigene Pablo Alvarado Flores im Gefängnis saßen. Sie wurden am 13. August 2001, eine Woche nachdem Sprengkörper in Bankfilialen in Mexiko-Stadt explodierten, festgenommen und beschuldigt, die Attentate verübt zu haben. Zudem wurde den Eltern Cerezo vorgeworfen, Mitglieder der Guerrilla-Organisation Revolutionäre Volksarmee (Ejército Popular Revolucionario, EPR) zu sein.

Bis zum Zeitpunkt ihrer Festnahme hatten die Brüder Cerezo studiert. Sie arbeiteten ehrenamtlich in indigenen Gemeinden in der Umgebung von Mexiko-Stadt. Pablo Alvarado, ein Bauer aus dem Bundesstaat México hatte die Brüder Cerezo nie zuvor gesehen. Während ihrer Festnahme durften die vier Männer keinen Kontakt mit ihren Familien aufnehmen. Sie wurden geschlagen und gefoltert, damit sie falsche Aussage machen und sich für schuldig erklärten. 24 Stunden nach ihrer Festnahme wurden sie von dem damaligen Staatsanwalt Macedo de la Concha als Täter präsentiert. In einem sehr umstrittenen Prozess wurden sie wegen Terrorismus zu dreizehn Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Das Comité Cerezo organisierte dann die Solidaritätsaktionen für ihre Freilassung.

Die Verteidigung

Zunächst hatte die Rechtsanwältin, Digna Ochoa y Placido ihre Verteidigung übernommen. Sie war seit 1996 die Anwältin von anderen politischen Gefangenen und Umweltaktivisten im mexikanischen Bundesstaat Guerrero und erhielt immer wieder Morddrohungen. Am 19. Oktober 2001 wurde Digna Ochoa in der Kanzlei, wo sie arbeitete, tot aufgefunden. Laut der Generalstaatsanwaltschaft (PGR) hatte sie Selbstmord begangen. Damit war der Fall abgeschlossen.

Im Jahr 2005 ließ die Familie Ochoa eine eigene Untersuchung durchführen. Die unabhängigen Gutachter widerlegten die Version der PGR und ihre weiteren Ermittlungen ergaben, dass Rogaciano Alba Àlvarez, der damalige Bürgermeister der Gemeinde Petatlán, Guerrero, der Hintermann des Mordes an Digna Ocha gewesen war.

Die Freilassung

Nach dem Mord an Digna Ochoa übernahm die Anwältin Barbara Zamora den Fall. Für die Freilassung der vier Männer kämpften auch die beiden anderen Geschwister Cerezo, Emiliana und Francisco. Schließlich wurde im Jahr 2005 Alejandro entlastet und kam frei, Pablo Alvarado wurde 2006 freigelassen, Héctor und Antonio 2009.

Seitdem arbeitet das Comité Cerezo als Menschenrechtsorganisation und begleitet Familien, deren Angehörige verschwunden sind sowie Opfer von willkürlichen Festnahmen und setzt sich für die Freiheit der politischen Gefangenen ein. Pablo Alvarado ist nach seiner Freilassung in seine Gemeinde zurückgekehrt.

Antonio Cerezo vom Comité Cerezo war im April dieses Jahres im Rahmen der Romerotage in Hamburg, um über die Lage der Menschenrechte in Mexiko zu berichten. Amerika21.de sprach mit ihm über seine Aktivitäten, die Arbeit des Komitees und die Situation in Mexiko angesichts der Präsidentschaftswahlen.

Das Gespräch mit dem Aktivisten Antonio Cerezo über die Lage der Menschenrechte, die Arbeit des Comité Cerezo und die Wahlen in Mexiko findet sich hier.

Quelle: amerika21.de