Kants Theorie der Selbstsetzung

Kants Opus postumum systematisiert deduktiv die Gesamtheit der intentionalen Projektionen des Subjekts sowohl in der Form als auch in der Materie. In dem vorliegenden Buch wird diese Systematisierung Theorie der Selbstsetzung genannt. In ihr beginnt Kant, die Intentionalität des logisch-transzendentalen Bewusstseins (apprehensio simplex) aufzuzeigen. Von hier aus geht Kant in Richtung einer metaphysischen Selbstsetzung, die sowohl das Ideal des Äthers als auch die Vorstellung des Subjekts als Leib-in-der-Welt einschließt. Diese Phase stellt den Versuch dar, zu zeigen, dass die synthetische Einheit der Kritik der reinen Vernunft (KrV) als Grund der Erfahrung unzureichend ist, und dass sie in eine metaphysische Einheit verwandelt werden muss, die ideale Formen der Selbstsetzung unserer Subjektivität einschließt. In diesem Zusammenhang ermöglicht es die Idee der Welt, ein Bild der organischen Interaktion des leiblichen Subjekts mit der äußeren Welt zu erhalten und daraus den richtigen Perspektivismus für eine Immanente Physiologie abzuleiten.

Diese neue physiologische Konzeption der Transzendentalphilosophie, in der sowohl das Subjekt als auch die Wirklichkeit eine neue, genuin immanente Beschaffenheit erhalten, ist genau diejenige, die in den formal-transzendentalen Interpretationsmodellen, die bis heute aufeinander gefolgt sind, keinen Platz findet. Vielleicht kann nur eine schrittweise Abkehr vom formal-transzendentalen epistémè der KrV den Blick auf die Alternative freigeben, die uns Kant in seinem Opus postumum hinterlassen hat. Der hier vorgelegte Vorschlag versucht, zum ersten Mal einen neuen Weg des Verständnisses der Transzendentalphilosophie als Immanente Physiologie zu eröffnen.