Colonia Dignidad und das „Versagen der Bundesrepublik“

Wann werden die Opfer der Sekte „Colonia Dignidad“ entschädigt? Angesichts des Besuchs einer deutschen Parlamentariergruppe in Chile fordert Völkerrechtler Andreas Schüller „die längst überfällige Unterstützung“ ein.

Seit Jahren drängen die deutschen und chilenischen Opfer der Colonia Dignidad auf Entschädigung und Wiedergutmachung durch die deutsche Regierung. Zurzeit besucht eine deutsche Parlamentariergruppe erneut die ehemalige Siedlung der deutschen Sekte im Süden Chiles. Die sogenannte Kolonie der Würde wurde von dem Jugendbetreuer und Laienprediger Paul Schäfer in den 1960er Jahren gegründet.

Schäfer pflegte enge Beziehungen zum Militärregime von Augusto Pinochet. Die Colonia Dignidad diente dem Militärregime auch als Folterstätte. Schäfer errichtete ein Regime von Zwangsarbeit und Unterdrückung, Kinder wurden sexuell missbraucht, Sektenmitglieder gefangen gehalten. Die deutsche Botschaft in Chile kümmerte sich nicht um die Opfer. Im Juni 2017 stimmte der Deutsche Bundestag einstimmig für die Aufarbeitung der in der Colonia Dignidad begangenen Verbrechen.

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Chilenisch-deutscher Künstlerworkshop in Lehnin und Schau in Berlin

Die Ausstellung „koffer / maleta“ thematisiert das Leben in „tierra ajena / fremder heimat“ und zeigt Werke deutscher und chilenischer Künstler. Eröffnet wird die Schau am Samstag, 15. September um 19 Uhr, in der Galerie Cleartext, Raabestrasse 10, Berlin-Prenzlauerberg. Die Ausstellung ist Teil eines größeren Projekts, bei dem die selben Künstler vom 16. bis 22. September im brandenburgischen Kloster Lehnin bei Potsdam im Rahmen eines interdisziplinären Workshops zusammen arbeiten und sich austauschen. Der Workshop ist für Besucher geöffnet.

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Datenautobahn zwischen Europa und Lateinamerika

Quelle: RedCLARA

Eine Gruppe von elf Forschungs- und Bildungsnetzwerken aus Europa und Lateinamerika hat am Montag (13. August 2018) ein Abkommen zur Verlegung eines Glasfaserkabels unter dem Atlantik unterzeichnet. Nach Angaben der Europäischen Kommission (EC) wird die Datenautobahn bis zum Jahr 2020 die lateinamerikanischen und europäischen Länder miteinander verbinden.

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Margo Glantz Shapiro wird neue Leiterin des FCE

Margo Glantz wird den Fondo de Cultura Económica (FCE) in der neuen Regierung unter Andrés Manuel López Obrador leiten. Dies wurde auf der Website des nächsten Präsidenten von Mexiko bekannt gegeben, wo es heißt, dass der nächste Chef der Secretaria de Educación Pública (SEP), Esteban Moctezuma Barragán, Margo Glantz für den FCE ernannt hat. Nach der Bekanntgabe der Entscheidung feierten Persönlichkeiten aus der Kulturszene diese Ernennung. Jorge Volpi, Koordinator der Difusión Cultural an der Universidad Nacional Autónoma de México (UNAM), war einer derjenigen, die die Ernennung über Twitter begrüßten.

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Das Erbe von Octavio Paz bleibt in Mexiko

Das Erbe von Octavio Paz soll in Mexiko bleiben, sagte die Kulturministerin Mexikos, Maria Cristina Garcia Cepeda, am 07.08.2018 und kündigte an, dass das Vermächtnis spätestens in einem Monat zum Kunstdenkmal erklärt werden könnte.

Garcia Cepeda verwies darauf, dass Octavio Paz in einer notariellen testamentarischen Bestimmung verfügt habe, dass sein Nachlass dem Land Mexiko erhalten bleiben solle. Dies könnte verhindern, so fügte er selbst hinzu, dass, selbst wenn ein Erbe im Namen der Witwe, Marie José Tramini, auftauchen sollte, dieser das Erbe aus Mexiko schaffen könne.

Quelle: La Jornada

Comité Cerezo México

Antonio Cerezo: „Wenn die Zivilgesellschaft sich nicht organisiert und Druck ausübt, wird sich im Land nichts ändern“

Das Comité Cerezo

Das Comité Cerezo wurde 2001 in Mexiko-Stadt gegründet, als die Brüder Antonio (damals 23 Jahre), Alejandro (19) und Héctor (21) Cerezo und der Nahuatl-indigene Pablo Alvarado Flores im Gefängnis saßen. Sie wurden am 13. August 2001, eine Woche nachdem Sprengkörper in Bankfilialen in Mexiko-Stadt explodierten, festgenommen und beschuldigt, die Attentate verübt zu haben. Zudem wurde den Eltern Cerezo vorgeworfen, Mitglieder der Guerrilla-Organisation Revolutionäre Volksarmee (Ejército Popular Revolucionario, EPR) zu sein.

Bis zum Zeitpunkt ihrer Festnahme hatten die Brüder Cerezo studiert. Sie arbeiteten ehrenamtlich in indigenen Gemeinden in der Umgebung von Mexiko-Stadt. Pablo Alvarado, ein Bauer aus dem Bundesstaat México hatte die Brüder Cerezo nie zuvor gesehen. Während ihrer Festnahme durften die vier Männer keinen Kontakt mit ihren Familien aufnehmen. Sie wurden geschlagen und gefoltert, damit sie falsche Aussage machen und sich für schuldig erklärten. 24 Stunden nach ihrer Festnahme wurden sie von dem damaligen Staatsanwalt Macedo de la Concha als Täter präsentiert. In einem sehr umstrittenen Prozess wurden sie wegen Terrorismus zu dreizehn Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Das Comité Cerezo organisierte dann die Solidaritätsaktionen für ihre Freilassung.

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Das Vergessen der Götter

In Emiliano Monges Las tierras arrasadas wird die Perspektive des Erzählers von mehreren Mustern bestimmt. Eine davon ist Ciceros erste Inschrift, die die Vergesslichkeit der Götter der menschlichen Dinge, der Ertrunkenen, die durch seine Intervention nicht gerettet wurden, betont. Wir lesen den Bericht über das abgründigste Vergessen dieser menschlichen Dinge, über die Gewalt der Vernichtung, die des Schmerzes, der Arbeit und des Todes der mittelamerikanischen Migranten, die diese verwüsteten Länder auf der Suche nach einem verheißenen Land durchqueren. Bemerkenswert hierbei ist, dass der Text des Romans durch Zitate aus verschiedenen Zeugnissen mittelamerikanischer Migranten oder durch Passagen aus Dante Alighieris „Die göttliche Komödie“ gekennzeichnet ist. Letzteres hilft zu verstehen, dass der Roman auch als strenge Topographie komponiert ist, in der die für die Hölle bestimmten Seelen klagen, weinen und Gott lästern (Jorge Luis Borges: „Estudio preliminar a la Divina Comedia).

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Cologne Summer School 2018

Vom 22. bis 29. Juli 2018 findet in der Università degli Studi di Bergamo die Cologne Summer School 2018 zum Thema Reconociendo fronteras invisibles: tránsitos, cruces y agentes statt.

Der Kurs schlägt eine gemeinsame Reflexion unter Studenten, Doktoranden, Fachleuten und Universitätsprofessoren verschiedener Disziplinen und Kontinente über die schnellen Veränderungen vor, die wir in der Natur beobachten, sowie über die Auswirkungen jener unsichtbaren Grenzen, die das Gute vom Schlechten, das Schöne vom Hässlichen und das Zufällige vom Absichtlichen trennen.

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Jenseits des Realismus

Wenn von den parallelen Königreichen die Rede ist, war Trabajos del reino von Yuri Herrera einer der ersten Romane, der mit einem Realismus brach, der direkt und hart war, und auf dem die Grundvoraussetzungen zunächst der narcoliteratura, und dann mit eben diesem Realismus, allerdings stark aufgeweicht und melodramatisiert, der narconovelas aufbauen. Eine Art, wie sich in Trabajos del reino dieser andere Beginn der Romanform angesichts der Gewalt des Drogenhandels, aber auch der gewalttätigen und widersprüchlichen Artikulation zwischen Staat, Markt und Gesellschaft in den Werken des Königreichs entfaltet, ist die Darstellung eines Erzählers, der von Beginn des Romans an dieses Reich symbolisiert, gerade indem er eine erzählte Welt konstruiert, die, obwohl von der Außenwelt ständig genährt, ihre eigenen Schlüssel, ihre Parallelität zur historischen Realität und ihre eigene Glaubwürdigkeit im Bereich des Absolutismus des organisierten Verbrechens erzeugt.

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