Leyendas negras: Menschenopfer

Die wöchentliche Beilage La Jornada semanal setzt sich in ihrer Ausgabe vom 19. Dezember 2021 erneut mit der Frage der Menschenopfer und dem Kannibalismus bei den Mexicas auseinander. Miguel Ángel Adame Cerón geht dabei in seinem Artikel zunächst auf den Kreuzzug von Andrés Manuel López Obrador (AMLO) ein, den jener gestartet hat, um die indigene Bevölkerung um Vergebung für die Verbrechen zu bitten, die ihnen während der spanischen Invasion und Eroberung vor fünfhundert Jahren angetan wurden. AMLO wandte sich dabei auch mit einer Petition an das spanische Königshaus und die Regierung sowie an Papst Franziskus, sich dazu zu äußern. Er selbst als mexikanisches Staatsoberhaupt hat sich bereits dazu geäußert, mit dem Ziel, das Jahr 2021 zu einem Jahr der „historischen Versöhnung“ zu machen.

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Liz Rátiva: Promesas

Foto: Sin Márgenes

Liz Rátiva (Lizeth Yamile Rátiva Cuevas), eine kolumbianische Psychologin, Schauspielerin und Schriftstellerin, wurde 1990 in Bogotá geboren. Sie ist Mitbegründerin des Literaturprojekts Dato Escondido und Autorin des Buches Rompieron los vidrios, einer Auswahl unveröffentlichter Kurzerzählungen, Finalistin des Nationalen Poesiewettbewerbs Casa de Poesía Silva (2019) und eine der Gewinnerinnen in der Kategorie Kurzerzählungen des Nationalen Schreibwettbewerbs: Kolumbien, Territorio de historias (2020), sowie Autorin der Kurzerzählungen „El Mar“ und „Los Aviones“, die in der Anthologie Mapas para Extraviarse (2019) enthalten sind. Sie hat an Workshops für kreatives Schreiben, Poesie und Literatur teilgenommen, die vom Instituto Distrital de las Artes (IDARTES) und Red Relata organisiert wurden, und arbeitet dezeit als Community Artist im NIDOS-Projekt des Instituto Distrital de las Artes in Bogotá.

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Situation in Lateinamerika wirklich dramatisch – Mario Vargas Llosa

Bild: infobae

Auf einer vom Interamerican Institute for Democracy, einer gemeinnützigen Organisation, und der Fundación Internacional para la Libertad unter dem Vorsitz von Vargas Llosa organisierten Konferenz gab der Literaturnobelpreisträger einen Überblick über einen großen Teil lateinamerikanischer Länder und die schwierige institutionelle Situation, in der sie sich befinden, und betonte: „Der ganze Kontinent ist bedroht“. Er zählte Gefahren auf und verwies vor allem auf Mexiko und dessen Präsidenten Andrés Manuel López Obrador (AMLO). „Die Mexikaner haben falsch gewählt, wie es in unseren Ländern schon oft geschehen ist. Und heute erlebt Mexiko einen dramatischen Rückschlag mit einem populistischen und demagogischen Präsidenten, der alle Freiheiten abschafft, die Mexiko dank (Saturnino) Cedillo hatte. Und heute ist Mexiko eines der Länder mit dem größten Rückschritt in Lateinamerika“, sagte der peruanische Schriftsteller vor einem vollen Saal. Mexiko belebe Puebla wieder, das solle nicht vergessen werden. Und Puebla war eine Verschwörung gegen die Demokratie in Lateinamerika, so Vargas Llosa. Dies sei eine sehr realitätsnahe Situation. Der Schriftsteller erinnerte an den jüngsten Besuch des kubanischen Diktators Miguel Díaz-Canel, den AMLO, wie er sagte, wie einen echten Vizekönig empfangen habe.

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EntreRíos – Gewalt in der kolumbianischen Karibik

EntreRíos ist ein Ort der Erinnerung an die Stille, an das Wort und an die Wahrheit, der das Ergebnis einer Reise ist, um die Überlebenden des Konflikts zu treffen, ihnen zuzuhören und ihre Geschichten zu erzählen. Es ist ein intimes und gemeinschaftliches Projekt, das die Erinnerungen und Wahrheiten der Gewalt in der kolumbianischen Karibik untersucht. Das Projekt wurde EntreRíos genannt, weil es im Land der amphibischen Kultur geboren wurde, benannt nach dem Soziologen Orlando Fals Borda aus Barranquilla. Entre ríos (zwischen den Flüssen) sind zwei Wörter, die miteinander verbunden wurden, ohne ihre Unabhängigkeit zu verändern. Dies sollte der ursprüngliche Name des Departements Córdoba sein, eines der acht Departements der kolumbianischen Karibik, ein unermesslicher und unverständlicher Raum.

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Die Black Box der Erde

Bild: Earth Black Box

Wenn wir unsere Lebensweise nicht drastisch ändern, werden der Klimawandel und andere vom Menschen verursachte Gefahren unsere Zivilisation zum Absturz bringen. Die Blackbox der Erde zeichnet seit COP26 in Glasgow, Schottland (September 2021) jeden Schritt auf, mit dem wir auf diese Katastrophe zusteuern. Hunderte von Datensätzen, Messungen und Interaktionen, die sich auf den Zustand unseres Planeten beziehen, werden kontinuierlich erfasst und für künftige Generationen sicher gespeichert. Wie die Geschichte ausgeht, hängt ganz von uns ab. Nur eines ist sicher: Unsere Handlungen, Untätigkeiten und Interaktionen werden jetzt aufgezeichnet.

Der Stahlmonolith wird alle klimabezogenen Gespräche und Artefakte aus der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft dokumentieren, darunter Veränderungen der Land- und Meerestemperaturen, die Versauerung der Ozeane, die Menge der Treibhausgase in der Atmosphäre, die menschliche Bevölkerung, den Energieverbrauch, Militärausgaben, politische Veränderungen und vieles mehr.
Den Machern zufolge wird die Box mit Speicherlaufwerken vollgepackt sein, die von Solarzellen und dem Batteriespeicher der Struktur mit Strom versorgt werden, und ständig wissenschaftliche Daten aus dem Internet herunterladen.

Übersetzung in der ausgrenzenden Sprache

In diesem Jahr 2021 ging der Cervantes-Preis an Cristina Peri Rossi, Schriftstellerin aus Uruguay. In einem Text mit dem Titel „La lengua excluyente“ wird eine sprachliche Feinheit aus der spanischen Grammatik angesprochen, die in der aktuellen Debatte um die geschlechtergerechte Sprache (span. lenguaje inclusivo) leicht untergehen kann. Der folgende kurze Textausschnitt zeigt die Hürden bei der Übersetzung, einen möglichen Ausweg und gleichzeitig die Vielfalt der spanischen Sprache.

Das Wort ‚hombre‘ im Spanischen bedeutet sowohl Mann als auch Mensch. Demnach ist der Satz „Todos los hombres son mortales“ wohl zunächst als „Alle Menschen sind sterblich“ zu übersetzen. Aber dann macht der weitere Verlauf des Gesprächs keinen Sinn mehr. Wenn man ihn aber mit „Alle Männer sind sterblich“ übersetzt, macht es ebenfalls keinen Sinn. Man müsste sich also bei der Übersetzung aushelfen, indem man dem Mädchen ein Missverständnis unterstellt (‚Menschen‘ versus ‚Männer‘). Dies geht aber an dem eigentlichen Sinn des Textes vorbei und fügt ihm einen neuen Sinn hinzu, der wohl so von der Autorin nicht beabsichtigt ist. Die Virtuosität des spanischen Originals geht in der Übersetzung hier also verloren.

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Der Fall Colonia Dignidad

Bild: transcript Verlag

Jan Stehle hat sich in seiner Dissertation am Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften der Freien Universität Berlin mit dem Fall Colonia Dignidad beschäftigt, um den Umgang bundesdeutscher Außenpolitik und Justiz mit Menschenrechtsverletzungen in den Jahren 1961-2020 in Chile zu untersuchen. Dabei wollte er auch dem Gerücht nachgehen, Bundesbehörden hätten die Verbrechen der Colonia Dignidad gedeckt. Die von der Rettig-Kommission, einer von der ersten demokratisch gewählten Regierung nach der Diktatur in Chile eingesetzte Wahrheits- und Versöhnungskommission, festgestellten Verbindungen der Colonia Dignidad mit Diktaturverbrechen wurden nicht strafrechtlich untersucht oder gar verfolgt. Chilenische Menschenrechtsaktivisten, aber auch progressive chilenische Medien erklärten dies mit der Existenz nicht näher beschriebener Unterstützungsnetzwerke der Colonia Dignidad. Aber auch von Seiten der bundesdeutschen Diplomatie erhalte die Colonia Dignidad Schutz. Insgesamt, so seine Wahrnehmung, sei die Colonia Dignidad eine Art Staat im Staate, für den die Regeln der chilenischen Politik und Justiz nicht gelten, was auch von der Bundesregierung gedeckt werde. Stehle wurde von chilenischen Gesprächspartnern regelmäßig gefragt, wie er sich als deutscher Staatsbürger dies erklären könne, was seine Motivation verstärkte, Antworten auf diese Frage zu suchen.

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Caral: älteste Zivilisation Amerikas?

Bild: www.zonacaral.gob.pe

Die Caral-Zivilisation entstand in der nördlichen Zentral-Region Perus, noch vor allen anderen Regionen in den Anden und auf dem amerikanischen Kontinent. Die Entwicklung der Bevölkerung in diesem Gebiet geschah im Vergleich zu anderen, die den Kontinent bewohnten, schon sehr früh. Das Alter dieser Zivilisation ist mit dem der ältesten zivilisatorischen Zentren der Alten Welt vergleichbar: Als in Ägypten die antike Pyramide von Sakara gebaut wurde oder später die Pyramiden von Cheops, Chephren und Mykerinos im Tal von Gizeh; oder als die sumerischen Städte in Mesopotamien besetzt wurden, oder die Märkte in Indien wuchsen. Zu dieser Zeit, zwischen 3000 und 2500 v. Chr., wurden die Pyramidenbauten von Caral bereits bewohnt und umgestaltet, und auf ihren Plätzen fanden regelmäßig Versammlungen zu wirtschaftlichen, sozialen und religiösen Zwecken statt. Doch während die Zivilisationen des alten Kontinents untereinander Waren, Wissen und Erfahrungen austauschten, sind die Gesellschaften von Caral und des nördlichen Zentral-Gebiets in ein zivilisatorischen Stadium aufgestiegen, auch wenn die anderen Bevölkerungen Perus und Amerikas auf einer niedrigeren Entwicklungsstufe stehen blieben.

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Der Mann aus Rupak Tanta

In einem früheren Beitrag hatte ich bereits über das Buch „Der Mann aus Rupak Tanta“ von Melacio Castro Mendoza berichtet. Es ist die fabelhafte Geschichte eines Mannes aus den peruanischen Anden, die in einem deutschen Park angesiedelt ist, dem Stadtgarten von Essen in Nordrhein-Westfalen. Melacio Castro Mendoza, Schriftsteller aus Peru, rekonstruiert auf über 250 Seiten die Welten der Andenkosmogonie in einer Bergbauregion, dem Ruhrgebiet.
Pureq Kañiwa, der Protagonist des Romans, schildert darin den Weg, den er auf einer Reise durch sieben Türen unternommen hat. Jede der Türen ist voller gefährlicher Abenteuer und Verzauberungen, die uns durch unvergessliche Träume und Alpträume führen. Gleichzeitig ist der Roman eine politische Parabel über Liebe und Gerechtigkeit. Der hoch literarische Stil von Castro Mendoza macht diesen Roman zu einem sehr lesenswerten Erlebnis.

Jetzt ist der Roman erstmals als Übersetzung in deutscher Sprache erschienen und kann direkt bei ePubli bestellt werden.

Cervantes-Preis 2021 für Cristina Peri Rossi

Bild: Cristina Peri Rossi

Die Jury des wichtigsten spanischsprachigen Literaturpreises, des „Miguel de Cervantes“, hat den Preis für 2021 an die uruguayische Schriftstellerin Cristina Peri Rossi vergeben. Der Preis ist mit 125.000 Euro dotiert. Die Jury begründete ihre Entscheidung damit, dass Peri Rossi während ihrer gesamten Laufbahn „eine der großen literarischen Berufungen unserer Zeit in einer Vielzahl von Genres und ihr ständiges Engagement für zeitgenössische Themen wie die Stellung der Frau und die Sexualität“ ausgeübt hat.

Peri Rossi widmet sich seit mehr als 50 Jahren der Literatur. Sie wurde am 12. November 1941 in Uruguay geboren und lebt seit 1970 in Barcelona, wohin es sie auf der Flucht vor den südamerikanischen Diktaturen jener Zeit verschlug. In ihrer langen Laufbahn hat sie alle Arten von Genres gepflegt: Lyrik, Essays, Journalismus und Literatur. Ihr Debüt gab sie mit Viviendo, einem 1963 veröffentlichten Band mit Kurzerzählungen. Später, 1968, erschien Los museos abandonados, gefolgt von El libro de mis primos. Julio Cortázar sagte in den 1960er Jahren über Peri Rossi, sie sei „die große Erneuerin der Kurzerzählung“. Ihre Themen sind Liebe, Herzschmerz, Erinnerung und Vergessen, Sex, Lust und Angst.

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