Jamie Raskin ist ein Verfassungsrechtler, ein demokratischer Kongressabgeordneter (Maryland), ein guter Schriftsteller und ein liebevoller Vater. Am 31. Dezember 2020 nahm sich sein brillanter und charismatischer 25-jähriger Sohn Tommy das Leben. Sechs Tage später überfiel ein bösartiger Mob Raskins Arbeitsplatz, das Kapitol in Washington D.C., die Wiege der Demokratie, was mehrere Tote forderte und 140 Polizisten verletzte. Raskin erlitt einen heftigen und umfassenden Schock in seinen Grundfesten. Noch nie fühlte er sich gleichsam so weit entfernt von dem zunehmend unerkennbaren Ort namens Leben und dem plötzlich vertrauten und sich ausweitenden Zuständigkeitsbereich namens Tod. Anstatt aber der unermesslichen Trauer über den Tod seines Sohnes zu erliegen, ergriff Raskin einen Rettungsanker, den ihm die Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, zuwarf, und erklärte sich bereit, die Bemühungen um ein Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump zu leiten, weil dieser den Aufruhr angezettelt hatte, der den friedlichen Machtwechsel zum Entgleisen hätte bringen können.
Seelenvermächtnis
Die Albträume, die Udo Wieczorek in der frühen Kindheit plagen, erzählen von hohen Bergen und Krieg. Er verdrängt sie, bis sie ihn Jahre später wieder einholen. Er geht auf Spurensuche, findet in Südtirol ein vertrautes Tal und wandert auf alten Pfaden. Déjà-vus und schrecklich real anmutende Träume leiten ihn 1997 schließlich zu einem Fund auf einem ehemaligen Schlachtfeld. Er findet, wovon er nachts zuvor geträumt hatte: die Botschaft eines sterbenden Soldaten aus dem Jahr 1915.
An diesem Buch scheiden sich die Geister. Zu fantastisch, zu paranormal erscheint das Ganze vielen. Dennoch setht fest, dass Udo Wieczorek in »Seelenvermächtnis« seine Erlebnisse und Träume sowie seine Nachforschungen eindrücklich und spannend schildert. „Alles, was mit uns geschieht, folgt einer unfassbaren göttlichen Fügung. Und alles, was uns als endlich erscheint, beschreibt in sich einen unerschöpflichen Gral des dimensionslosen Fortgangs.“
La ciudad de los poemas
Die Poesie in und über Mexiko-Stadt, die so unermesslich ist wie die Stadt selbst, passt nicht mehr in eine Anthologie wie in der Vergangenheit. Jeden Tag gibt es jemanden, der die Stadt lobt, jemanden, der über sie weint, jemanden, der sie hasst. Sie zerstört sich selbst mit einer Leidenschaft, die aussieht wie Enthusiasmus und vielleicht nur Wahnsinn ist. Claudia Kerik hat es sich dennoch zur Aufgabe gemacht, das zu sammeln und zu erfassen, was die in ihr geborenen und die Dichter, die sie zu ihrer Wahlheimat erklärt haben, im langen 20. Jahrhundert gesungen, beklagt, geflüstert oder verwünscht haben, welches diskret zwei Jahrzehnte ins 19. und zwei weitere, stürmische und gefräßige, ins 21. Jahrhundert hineinreicht. La ciudad de los poemas: Muestrario poético de la Ciudad de México moderna versucht das Unmögliche und präsentiert sich als ein monumentales, fast brutales, unwiederholbares Mosaik dessen, was die Stadt, einst Tenochtitlan, die Dichter in einem stets modernen und sich entwickelnden Spanisch sagen ließ.
Skulptur zu Ehren von Octavio Paz fertiggestellt

Die bevorstehende Einweihung eines Ortes, in dem die Asche des Literaturnobelpreisträgers von 1990, Octavio Paz, im Antiguo Colegio de San Ildefonso beigesetzt wird, krönt eine Verbindung diskreter Bewunderung, die seit den 1960er Jahren zwischen dem Schriftsteller und dem renommierten Künstler Vicente Rojo bestand, der bis zu seinem Tod vor einem Jahr, am 17. März 2021, die Arbeiten an der von ihm entworfenen Gedenkstätte für den Dichter auf dem Universitätsgelände beaufsichtigte. Seit der zweiten Hälfte des letzten Jahres wurde die Eröffnung dieses Ortes erwartet, da seine Fertigstellung für Mai 2021 geplant war.
Das künstlerische Konzept von Vicente Rojo für die Gedenkstätte besteht aus einem skulpturalen Grabstein und einem Brunnen, der die ersten Zeilen des bekannten Gedichts Piedra de Sol in Granit übersetzt:
Un alto surtidor que el viento arquea, / un árbol bien plantado mas danzante, / un caminar de río que se curva, / avanza, retrocede, da un rodeo / y llega siempre
Eine hohe Fontäne, die der Wind biegt, / ein gut gepflanzter Baum, der tanzt, / ein Fließen in Mäandern des Flusses, / kommt vorwärts, weicht zurück, macht einen Umweg / und kommt immer an
So wird die Beweglichkeit und Festigkeit der Werke beider Schöpfer, die Beständigkeit durch die künstlerischen Sprachen der Bildhauerei und der Poesie, in einem Brunnen zu finden sein.
8M-21: Von der Mauer zum Mahnmal
Am Vorabend des feministischen Marsches am 8. März 2021 beschloss die Bundesregierung der Vereinigten Staaten von Mexiko, mehrere Gebäude im historischen Zentrum von Mexiko-Stadt mit einem Streifen Metallzaun abzuschirmen. Es wurde argumentiert, dass öffentliche Demonstrationen zwar nicht unterdrückt würden, aber auch keine Schädigung des nationalen Erbes oder anderer Bürger erlaubt seien. Unter anderem wurden der Palacio de Bellas Artes, die Banco de México, das neoklassische Denkmal Hemiciclo a Juárez und der Nationalpalast von einer mehr als drei Meter hohen Barriere umgeben, die die Regierung als „Friedensmauer“ bezeichnete. Tausende von Frauen verurteilten diese Aktionen mit Parolen der Gleichberechtigung und der Verteidigung der Rechte der Frauen. In einem Land, in dem jeden Tag 11 Frauen ermordet werden, wurde dem Schutz von Gebäuden mehr Aufmerksamkeit gewidmet als den Frauenmorden (Feminizide) und der geschlechtsspezifischen Gewalt.
Im Vorfeld des Marsches riefen feministische Kollektive über die sozialen Netzwerke dazu auf, an den Zäunen zu intervenieren und Gerechtigkeit gegen die Gewalt zu fordern, die Frauen tagtäglich erleiden. Die Wände wurden zu einem stillen, aber energischen Mahnmal umgestaltet, an dem die Namen von Hunderten von Frauen, die Opfer von Feminiziden und anderen Verbrechen geworden sind, mit weißer Farbe, Blumen, verschiedenen Gegenständen und Kerzen angebracht wurden. Die Mauer reichte nicht aus, um die Namen der Tausenden von verschwundenen und ermordeten Frauen in Mexiko zu erfassen. Das Denkmal wurde von der mexikanischen Regierung am Ende des Tages abgebaut, weshalb es wichtig ist, die Gedenkstätte digital zu erhalten. Daher haben der Nelson-Mandela-Lehrstuhl für Menschenrechte in der Kunst und die Generaldirektion für Veröffentlichungen und redaktionelle Förderung der Universidad Nacional Autónoma de México (UNAM) in Zusammenarbeit mit den Fotografinnen und Aktivistinnen Ximena Apisdorf und Anaí Tirado eine fotografische und dokumentarische Nachbereitung der Gedenkstätte veröffentlicht.
Sarmiento: el regreso

Das Buch Sarmiento: el regreso von Noé Jitrik stellt eine Reihe von Arbeiten vor, deren Gegenstand die Bedeutung des Werks von Domingo Faustino Sarmiento ist, insbesondere Facundo und Recuerdos de provincia, die sowohl in ihrer Entstehung als auch in ihrer kulturellen, ideologischen und politischen Tragweite untersucht werden. Die zumeist analytischen Ansätze beziehen sich auf theoretische Perspektiven, insbesondere auf die Frage nach dem „Schreiben“ als traditionellem und alltäglichem Vorgang, jenseits der aktuellen Polemik verherrlichender oder verunglimpfender Art. Sarmiento: el regreso versucht, sich mit der wiederkehrenden Polemik über Sarmiento zu befassen, als eine leitende und zugleich beunruhigende Präsenz: es geht davon aus, dass seine Figur weiterhin Überlegungen, Antagonismen und Erklärungsbedürfnisse bei denjenigen weckt, die sich für die Beziehung interessieren, die zwischen der historischen, konkreten und symbolischen Vergangenheit Argentiniens und den aktuellen Themen bestehen kann.
Russische Kunstszene
Nach der Ankündigung, dass die Künstler und der Kurator des Pavillons der Russischen Föderation von ihren Ämtern zurückgetreten sind und ihre Teilnahme an der 59. Biennale von Venedig, die vom 23. April bis zum 27. November 2022 stattfinden wird, abgesagt haben, wurden ähnliche öffentliche Anschuldigungen von Persönlichkeiten aus der Kunstwelt erhoben. Während Russland seinen Kampf zur Eroberung und Verteidigung der eigenen Leute in der Ukraine fortsetzt, haben Hunderte von Persönlichkeiten aus der russischen Kunstwelt und wichtige private Institutionen eine klare Position gegen den Krieg bezogen. Die Moskauer Galeristin Ekaterina Iragui meinte laut Il Giornale dell’arte, dass es allerdings kurzsichtig sei, die gesamte russische Kunstszene mit dem, was die Regierung tut, in Verbindung zu bringen. Und auch der Künstler Dmitry Vilensky betonte, dass die Mehrheit der Kunstwelt die Militäraktionen in der Ukraine ablehnt, aber die Unterdrückung es schwierig mache, dies öffentlich darzustellen.
Noé Jitrik für den Literaturnobelpreis nominiert

Die Nominierung eines argentinischen Schriftstellers ist immer ein Grund zur Freude. Mit seinem Buch Sarmiento: el regreso, das er 2016 in dem Verlag eduvim veröffentlichte, wurde Noé Jitrik für den Literaturnobelpreis nominiert.
Noé Jitrik aus Rivera, Provinz Buenos Aires (geb. 23. Januar 1928) ist ein argentinischer Literaturkritiker und Schriftsteller, Autor zahlreicher Kurzgeschichten, Romane und kritischer, literarischer und historischer Essays. Er ist mit der Schriftstellerin Tununa Mercado verheiratet und Vater des Physikers Oliverio Jitrik und der Künstlerin Magdalena Jitrik. Ab 1953 arbeitete er mit der Zeitschrift Contorno zusammen und zog im Jahr 1964 nach Buenos Aires. 1966 wurde der Film Todo sol es amargo veröffentlicht, für den er das Drehbuch schrieb. Da er ein Angebot erhielt, an einer französischen Universität zu arbeiten, ließ er sich für fast drei Jahre in Frankreich nieder und nahm zusammen mit seiner Frau an Kommissionen der Solidarität mit Chile und anderen Ländern in Amerika teil, in denen es in den 1970er Jahren zu Militärputschen kam.
Realität und Fiktion
In der Literaturzeitschrift Realidades y Ficciones Nr. 48 – Dezember 2021 – ist eine neue Renzension von Der Mann aus Rupak Tanta von Melacion Castro Mendoza erschienen. Darin weist Gonzalo Pantigoso Layza, Professor an der Universidad Nacional del Santa (Peru) zunächst auf die vielen peruanischen Schriftsteller hin, die in verschiedenen Teilen der Welt literarisch tätig sind und aufgrund dieser Transitivität im literarischen Prozess in Peru, abgesehen von einigen wenigen Ausnahmefällen, nicht mit Nachdruck berücksichtigt werden. Zu dieser Gruppe von Schriftstellern gehört auch Melacio Castro Mendoza, der aus Cain stammt, einem Ort in der Provinz Pacasmayo, La Libertad, und der seit 31 Jahren in Essen lebt, nachdem er mehrere Jahre lang in verschiedenen Teilen der Welt unterwegs war.
Kulinarisches aus Peru mitten in Neukölln
Simón Castro, Sohn eines peruanischen Vaters und einer deutschen Mutter, beschloss während einer Reise durch Peru, sich der peruanischen Gastronomie zu widmen, und ist heute Chefkoch des Chicha in Berlin, das zu den besten peruanischen Restaurants in Deutschland zählt. (OmU)