Nationalfeiertag für Frauen mit Behinderungen

Die Parlamentarische Gruppe der Partei der institutionalisierten Revolution (Partido Revolucionario Institucional – PRI) im Senat hat eine Initiative vorgelegt, den 12. September zum „Nationalfeiertag für Frauen mit Behinderungen“ zu erklären. Damit will sie mit einem weiteren Element zur Bekämpfung von Diskriminierung beitragen und Gruppen von Menschen, die unter Einschränkungen des Zugangs zu ihren grundlegenden Menschenrechten leben, mehr Sichtbarkeit verschaffen. Die Initiative unter der Federführung von Miguel Ángel Osorio Chong sieht vor, dass der mexikanische Staat diesen Tag als einen Gedenktag zum Andenken an die Geburt von Gabriela Brimmer bestimmt, einer mexikanischen Pionierin im Aktivismus für die Rechte von Menschen mit Behinderungen.

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Kurzerzählungen II: Ritual – Karyatiden – Bilder von Vanya

In den drei cuentos, die in diesem zweiten Buch aus der Reihe Kurzerzählungen vorgestellt werden, bedient sich García Ponce wieder dem für ihn experimentellen Thema der Erotik als Auflehnung gegen das Normale. Aber auch das Begehren ist in diesen drei Kurzerzählungen ein für ihn wichtiges Motiv. Er schreibt seine Kurzerzählungen in der Regel volkstümlich, ohne dabei zu sehr in die Folklore abzugleiten. Obwohl in der spanischen Rezeption vielfach die Erotik als das herausragende Merkmal seiner Kurzerzählungen gilt, lenkt diese Sichtweise sehr von dem eigentlichen historischen Wert dieses Autors für die mexikanische Literatur ab, der folgende Generationen auf unterschiedliche Weise nachhaltig geprägt hat.

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Eine Literaturzeitschrift stellt sich vor

© alba. lateinamerika lesen

Im September hatte ich bereits darüber berichtet, dass im Rahmen des vom Berliner Senat geförderten Kooperationsprojekts mit dem Lyrik-Magazin aus Buenos Aires, Hablar de Poesía, zum Anlass der Veröffentlichung der 12. Ausgabe des mehrsprachigen Literaturmagazins alba. lateinamerika lesen, Lesungen in den beiden Hauptstädten Buenos Aires und Berlin stattfinden werden.

Die Lesung in Berlin findet nun am 1. November 2019 um 19:00 Uhr im Instituto Cervantes statt.

Zusätzlich findet am 21. November 2019 um 18:00 Uhr im Ibero-Amerikanischen Institut ein Gespräch mit der Dichterin und Übersetzerin Claudia Sierich statt, bei dem die Mitglieder der Redaktion davon berichten werden, wie aus vielen Ideen und Lektüren jedes Jahr ein sorgsam kuratiertes, übersetztes und illustriertes Heft entsteht. Eine Auswahl von Lieblingstexten wird einen Eindruck vom „alba-Sound“ geben und Lust aufs Blättern in inzwischen zwölf Ausgaben von alba. lateinamerika lesen machen.

Pflegepersonal aus Mexiko

Im Editorial der neuen Ausgabe der Lateinamerika Nachrichten (Nr. 545 – November 2019) wird die Reise von Jens Spahn nach Mexiko thematisiert, die er im September unternommen hatte, um Pflegefachkräfte anzuwerben. Dabei wird darauf hingewiesen, dass trotz der Betonung von Seiten der Bundesregierung, man wolle keinem Land die Fachkräfte entziehen, Deutschland trotzdem einem in puncto ausgebildeter Pflegearbeiterinnen unterversorgten Land sich an dem sogenannten Care Drain beteiligt. Dabei sollte der Pflege ein anderer Wert in unserer Gesellschaft zukommen und nicht zu einer Ware mutieren.

„Care-Arbeit, Sorge und Fürsorge im weitesten Sinn, gehört weltweit zu den am stärksten wachsenden Arbeitsbereichen. Die Lücke zwischen zu versorgenden Menschen und fürsorgenden Menschen wächst, im Jahr 2030 werden laut Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) 400 Millionen ältere Menschen auf Pflege angewiesen sein. Die Pflegekrise bekommt nun mehr Aufmerksamkeit, die Debatte darum berücksichtigt jedoch nur selten, dass die Doppelbelastung für Arbeiterinnen schon lange Realität ist. Die geschlechtliche Arbeitsteilung führt dazu, dass Emanzipation von reichen Frauen auch auf Kosten anderer Frauen geht. Die Eingliederung vieler Frauen in den Arbeitsmarkt führt also nicht zu einer gesamtgesellschaftlich gerechter verteilten Sorgeverantwortung, sondern gibt diese einfach an andere, ärmere Frauen weiter. So hüten Ecuadorianerinnen schon lange Kinder in Spanien und nun sollen auch Mexikanerinnen alte Menschen in Deutschland pflegen.“

Ü-BERLIN – Die internationalen Übersetzer*innen Berlins

Sie sind das Elixier der Weltliteraturstadt Berlin und werden doch übersehen – die vielen internationalen Übersetzerinnen und Übersetzer, die ihren Lebensort an der Spree haben und die deutschsprachige Literatur (oder auch andere Literaturen) in die Sprachen der Welt übertragen. Ü-BERLIN bietet ein Forum für den Austausch von Geschichten und Erkenntnissen aus der doppelten Perspektive von „verschobener” Heimat und eigener Sprache. In einem Zukunftslabor werden Strategien der Überbrückung von ökonomischen wie künstlerischen Not- und Schieflagen reflektiert und Möglichkeiten von Vernetzung, Sichtbarkeit und Förderung ausgelotet. Ein kulturpolitischer Panel und ein literarischer Abend runden die öffentliche Veranstaltung ab.

PARATAXE SYMPOSIUM VI
Wann: 23.11.2019 ab 13:00
Ort: Literarisches Colloquium Berlin (Am Sandwerder 5, 14109 Berlin)

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Schreiben an einem anderen Ort

Jornada de literatura argentina Colonia | ESCRIBIR EN OTRO LUGAR

Die 4. Kölner Jornada de literatura argentina, die am 22. Oktober an der Universität zu Köln stattfindet, führt sechs argentinische AutorInnen der Gegenwart zusammen, die alle an einem anderen Ort als ihrem Herkunftsland leben und arbeiten, manchmal eine andere als ihre Muttersprache nutzen oder sich im eigenen Land mit ihrem Migrationshintergrund auseinandersetzen. Diese SchriftstellerInnen werden weiterhin der argentinischen Nationalliteratur zugerechnet, da man sich seit jeher gerne auf internationale Strömungen und Traditionen beruft: Mónica Müller, die in Buenos Aires ein Buch über ihren deutschen Vater verfasste; María Negroni, Eduardo Berti und Patricio Pron, die von New York, von Bordeaux und Madrid aus die argentinische Kultur der Gegenwart und ihre Vorgeschichte beleuchten; Mariana Eva Pérez und María Cecilia Barbetta, die aus Deutschland oder sogar in deutscher Sprache zurückblicken auf die dunkle Zeit vor und während der letzten argentinischen Militärdiktatur.
Das Programm kann hier als pdf heruntergeladen werden.

Literaturnobelpreis 2019: Peter Handke

Peter Handke ist ohne Zweifel einer der produktivsten Autoren der Gegenwart und schon seit den späten 60. Jahren als Schriftsteller etabliert. Die Ehre, die ihm jetzt mit der Verleihung des Literaturnobelpreises zukommt, ist allerdings aus den verschiedensten Gründen teilweise auch umstritten. Darüber, womit er polarisiert, lässt sich gerade jetzt viel nachlesen, obwohl die Schwedische Akademie ihn eben deswegen ehrt, weil Handke „mit linguistischem Einfallsreichtum die Peripherie und die Spezifität der menschlichen Erfahrung erforscht hat“ (vgl. hierzu zum Beispiel den Artikel bei der Deutschen Welle).

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Reflexion über historische Ereignisse: Eroberung Mexikos

Der Kongress Pensar la Conquista. 500 años, der am 3. und 4. Oktober vom Museo Nacional de Arte ausgerichtet wurde, zielte darauf ab, einen Raum für akademische Reflexionen über die historischen Ereignisse rund um die so genannte Eroberung Mexikos zu schaffen. In seiner Keynote räumte Christian Duverger, der auf mesoamerikanische Zivilisationen spezialisiert ist, gleich zu Beginn ein, dass es schwierig sei, über Hernán Cortés aus heutiger Sicht zu sprechen, da nach seiner Auffassung die Geschichte eine Geschichte des absoluten Unverständnisses ist. Dies machte er an der Verknüpfung dreier historischer Eregnisse deutlich: Die berühmte „Leyenda negra“ kam 1823 aus den Vereinigten Staaten und steht im direkten Zusammenhang mit der „Declaración de Monroe“, was wiederum mit der Unabhängigkeit Mexikos zusammenfiel.

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Weibliches Genie und Rückgewinnung der Gefühle

Während ein Tumult junger Pariserinnen mit ihren BHs Scheiterhaufen machte, stellte die erst kürzlich aus Bulgarien mit einem kommunistischen Pass angekommene, sehr junge Julia Kristeva nicht den Feminismus, sondern die Militanz in Frage: „Der Geist trennt sich von den Gruppen“. Kristeva wandte sich immer gegen Dogmen und hat es verstanden, ihre Individualität zu bewahren, selbst gegen die mächtige Gruppe, die sie entdeckte: Die Gruppe um das Avantgarde-Magazin Tel Quel, 1960 von dem jungen und sehr mitreißenden Philippe Sollers gegründet, der mit Kristeva (wenn auch nicht der einzigen Mitarbeiterin) neben Jacques Derrida, Roland Barthes, Michel Foucault, Gérard Genette und Umberto Eco seinem weiblichen Glanz frönte. Eine unvollkommene Gruppe – so Julia Kristeva, ohne sich dabei  zu sehr aufzuregen – wie sie bei jeder Kollision von Egos, die versuchen, einen Bruch egal welcher Art zu schaffen, anzutreffen ist.

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Sind Sprachen im Grunde unübersetzbar?

In seinem Essay »Linguistik der Lüge« (8. Auflage 2016 [1967]) versucht Harald Weinrich unter anderem sich der Frage zu nähern, ob sich die Semantik für das Phänomen Lüge interessieren soll. Dabei geht er an einer Stelle auch auf die immer wieder aufkommende alte Behauptung der Unübersetzbarkeit von Sprachen ein:

„Es erübrigt sich […] die alte Klage, Sprachen seien im Grunde unübersetzbar. »Gemüt« entziehe sich als deutsches Wort ebenso der Übersetzung wie »esprit« als französisches Wort, »business« als amerikanisches Wort. Dilettantische Argumente dieser Art sind ebenso wertlos wie ärgerlich. Die Wörter »Feuer«, »rue«, »car« sind auch nicht übersetzbar. Kein Wort ist übersetzbar. Aber wir brauchen auch gar keine Wörter zu übersetzen. Wir sollen Sätze und Texte übersetzen. Es macht nichts, daß sich die Wortbedeutungen von einer zur anderen Sprache für gewöhnlich nicht decken. Im Text kommt es sowieso nur auf die Meinungen an; und die kann man passend machen, man braucht nur den Kontext entsprechend einzustellen. Texte sind daher prinzipiell übersetzbar.“

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