Noé Jitrik für den Literaturnobelpreis nominiert

Bild: eduvim

Die Nominierung eines argentinischen Schriftstellers ist immer ein Grund zur Freude. Mit seinem Buch Sarmiento: el regreso, das er 2016 in dem Verlag eduvim veröffentlichte, wurde Noé Jitrik für den Literaturnobelpreis nominiert.

Noé Jitrik aus Rivera, Provinz Buenos Aires (geb. 23. Januar 1928) ist ein argentinischer Literaturkritiker und Schriftsteller, Autor zahlreicher Kurzgeschichten, Romane und kritischer, literarischer und historischer Essays. Er ist mit der Schriftstellerin Tununa Mercado verheiratet und Vater des Physikers Oliverio Jitrik und der Künstlerin Magdalena Jitrik. Ab 1953 arbeitete er mit der Zeitschrift Contorno zusammen und zog im Jahr 1964 nach Buenos Aires. 1966 wurde der Film Todo sol es amargo veröffentlicht, für den er das Drehbuch schrieb. Da er ein Angebot erhielt, an einer französischen Universität zu arbeiten, ließ er sich für fast drei Jahre in Frankreich nieder und nahm zusammen mit seiner Frau an Kommissionen der Solidarität mit Chile und anderen Ländern in Amerika teil, in denen es in den 1970er Jahren zu Militärputschen kam.

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Realität und Fiktion

Bild: Realidades y Ficciones

In der Literaturzeitschrift Realidades y Ficciones Nr. 48 – Dezember 2021 – ist eine neue Renzension von Der Mann aus Rupak Tanta von Melacion Castro Mendoza erschienen. Darin weist Gonzalo Pantigoso Layza, Professor an der Universidad Nacional del Santa (Peru) zunächst auf die vielen peruanischen Schriftsteller hin, die in verschiedenen Teilen der Welt literarisch tätig sind und aufgrund dieser Transitivität im literarischen Prozess in Peru, abgesehen von einigen wenigen Ausnahmefällen, nicht mit Nachdruck berücksichtigt werden. Zu dieser Gruppe von Schriftstellern gehört auch Melacio Castro Mendoza, der aus Cain stammt, einem Ort in der Provinz Pacasmayo, La Libertad, und der seit 31 Jahren in Essen lebt, nachdem er mehrere Jahre lang in verschiedenen Teilen der Welt unterwegs war.

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Spanischer Kolonialismus, der nicht endet

Arantxa Tirado Sánchez ist Politikwissenschaftlerin mit einem Doktortitel in Internationalen Beziehungen der Universidad Autónoma de Barcelona und einem Doktortitel in Lateinamerikastudien der Universidad Nacional Autónoma de México. In einem Beitrag, veröffentlich in La Jornada, nimmt sie Stellung zu den Beziehungen zwischen Spanien und Mexiko und wie die neoliberalen Regierungen der Parteien der Institutionellen Revolution (Partido Revolucionario Institucional, PRI) und der Nationalen Aktion (Partido Acción Nacional, PAN) strategische Sektoren zu Schnäppchenpreisen in die Hände spanischer Investoren gegeben haben. Nach ihr führten die sprichwörtliche Kombination aus Korruption und malinchismo (die Zuneigung allem Fremden gegenüber bei gleichzeitiger Geringschätzung des Eigenen) zu den allseits bekannten Ergebnissen: Die Bevölkerung Mexikos, die zunehmend verarmt, ausgebeutet und mit Hungerlöhnen abgespeist wird, wurde ignoriert und ihrer eigenen Ressourcen beraubt. Das Land, das durch das alte Nordamerikanische Freihandelsabkommen (engl. North American Free Trade Agreement, NAFTA) an die Interessen der USA gebunden ist, hat keine Hoheit über die Energie mehr und ist nur noch mit wichtigen Fragen wie der Sicherheit beschäftigt.

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Gabriela Brimmer

Bild: Buchcover

Gabriela Brimmer war eine mexikanische Schriftstellerin und Aktivistin für die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Erstmalig auf deutsch ist jetzt ihre Biografie erschienen. Die gemeinnützige BUXUS Stiftung hat das Buch in ihrer Reihe der Fritz Bauer Bibliothek unter dem Titel Zu leben, zu kämpfen und wir selbst zu sein veröffentlich. Ihre beeindruckende Geschichte des Widerstands, ihren „Kampf um des Menschen Rechte“ (Fritz Bauer), schrieb Gabriela Brimmer zusammen mit der mexikanischen Schriftstellerin und Journalistin Elena Poniatowska auf. Wer bereits Mein linker Fuß von Christy Brown gelesen hat, wird sicherlich viel Freude an der Biografie von Gabriela Brimmer haben und einen neuen Blick auf die Situation der „Behinderten“ in Mexiko des letzten Jahrhunderts bekommen.

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Juan Manuel Torres

Bild: academia.edu

Am 5. April 1938 wurde Juan Manuel Torres in Minatitlán, Veracruz, geboren. Als er zwei Jahre alt war, zog er mit seinen Eltern und seiner älteren Schwester nach Coatzacoalcos, wo seine Familie eine Bäckerei eröffneten. Sein Vater starb, als er noch ein Teenager war, und seine Mutter schickte ihn zum Studium nach Mexiko-Stadt an das Williams College. Torres besuchte die Oberschule am Instituto Vasco de Quiroga, und nachdem er Ausbildungen aufgegeben hatte, die ihn nicht interessierten, trat er 1959 in die Universidad Nacional Autónoma de México (UNAM) ein, um Psychologie zu studieren, die damals an der Facultad de Filosofía y Letras (Fakultät für Philosophie und Literatur) gelehrt wurde.

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Jacobo Lerner

Bild: las afueras

Die fragmentarische und vielschichtige Biografie von Jacobo Lerner, einem bescheidenen jüdischen Kaufmann, der in die peruanische Provinz auswanderte, ist eines der größten Geheimtipps der lateinamerikanischen Literatur des letzten Jahrhunderts. Das Ergebnis ist eine Collage aus verschiedenen Blickwinkeln, die Fetzen von Erzählungen und der Geschichte zu einer Psalmodie zusammenfügt, in der sich Träume mit der rauen Realität der Diaspora vermischen. Auf halbem Weg zwischen Isaac Bashevis Singer und Juan Rulfo ist La vida a plazos de don Jacobo Lerner von Isaac Goldemberg die Geschichte des Aufeinandertreffens zweier Welten, eine Mischung aus Altem Testament und Hexerei, oder „die in Lianen eingewickelte Thora“, wie Severo Sarduy den Roman definiert hat. Ein Roman voller Phantasie, Humor und Bitterkeit, der Isaac Goldemberg die Bewunderung einer ganzen Generation von Schriftstellern einbrachte.

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Volver a contar

Bild: Hay Festival

Zehn Autoren werden mit den Kuratoren des Santo Domingo Centre of Excellence for Latin American Research (SDCELAR) zusammenarbeiten, um Geschichten zu schreiben, die von Objekten aus der mittel- und südamerikanischen Sammlung des British Museum inspiriert sind und im September 2022 unter dem Titel Volver a contar: Escritores de América Latina en los archivos del Museo Británico (Anagrama) und Untold Microcosms: Latin American Writers in the British Museum (Charco Press) veröffentlicht werden sollen. Die Sammlung des Museums umfasst etwa 62.000 Objekte, die 10.000 Jahre menschlicher Geschichte in der Region abdecken. Das Projekt Volver a contar wird die Erzählungen über die Vergangenheit Amerikas untersuchen, die durch die Sammlungen des Museums trotz ihrer Lücken und Zerschlagungen geschaffen wird. Eine neue internationale Zusammenarbeit zwischen SDCELAR und dem Hay Festival wird neue Geschichten inspirieren, die auf Objekten aus der Sammlung Amerikas basieren, die derzeit nicht ausgestellt sind.

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Big Brother is watching you

Bild: TraLaLit

Anlässlich des bevorstehenden Todestages von George Orwell, der sich am 21. Januar 2022 zum 72. Mal jährt, lohnt sich ein Blick auf einen Vergleich der Übersetzungen seines Romans 1984. Julia Rosche hat schon vor einem Jahr für TraLaLit, dem Magazin für übersetzte Literatur, einen interessanten Beitrag verfasst, in welchem sie die Übersetzungen der verschiedenen Verlage aus dem Jahr 2021 der Übersetzung von Kurt Wagenseil (1950) und Michael Walter (1984) aus dem Ullstein Verlag gegenüberstellt. Nachdem das Werk von Orwell seit 2020 gemeinfrei ist und die Übersetzungsrechte nicht mehr beim Ullstein Verlag liegen, haben namhafte Verlage eine eigene Übersetzung herausgebracht.

In den gerade neu aufgelegten neuerlichen Übersetzungen haben sich die Übersetzer mit dem Wort „Newspeak“ nicht wirkliche Mühe gegeben und bleiben bis auf kleine Ausnahmen bei dem Wort „Neusprech“, was schon in der Übersetzung von Walter von dem Wort „Neusprache“ von Wagenseil abweicht. Auch die Wortspiele „Big Brother“ („Großer Bruder“), „Doublethink“ („Doppeldenk“ mit Ausnahme von Simone Fischer, die bei der alten Übersetzung von Kurt Wagenseil „Zwiedenken“ bleibt), „thinkpol“ („Gedankenpolizei“ mit Ausnahme von Frank Heibert, der mit „Denkpol“ hier abweicht) oder „goodthink“ als „Gutdenk“ lassen sich nicht wirklich gravierende Unterschiede finden.

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Bedürfnis nach Abgeschiedenheit

Yvonne Dewerne hat in Esquire einen Beitrag über das Alleinsein veröffentlicht, in dem sie darauf aufmerksam macht, wie wichtig es ist, das Alleinsein zu lernen, da es für unser Wohlbefinden große Vorteile bringt.

Die Begriffe „Einsamkeit“ und „Alleinsein“ werden heutzutage meist synonym verwendet, dabei gibt es einen großen Unterschied: Einsamkeit macht Menschen krank, Alleinsein macht sie glücklich. Einsamkeit geht einher mit einem höheren Risiko für Herzinfarkt, Demenz und vor allem Depression. Und Alleinsein sollte eine freiwillige Entscheidung sein. Wer mit sich selbst Zeit verbringt, weiß besser, wer er oder sie eigentlich ist. Und das kann ein großer Vorteil sein. Auch sind wir durchs Alleinsein stärker im Einklang mit der Natur und unserer Umgebung – einfach, weil wir diese mit ungeteilter Aufmerksamkeit erleben und wahrnehmen können. Wir nehmen Notiz von der Architektur oder sehen einen neuen Laden, den wir besuchen wollen. Die Beispiele sind vielfältig. Und wir fühlen uns freier, weil wir unabhängiger und selbstsicherer sind.

Schon immer haben kreative Menschen und Künstler die Einsamkeit als Quelle der Inspiration gepriesen. Andere sehen es als „Luxus“ an, da Alleinsein zu Unrecht einen schlechten Ruf hat. ”Alleinsein ist Sehnsuchtsort und Höllenvorstellung zugleich“. Die sechs Vorteile des Alleinseins, die Yvonne Dewerne in ihrem Beitrag auflistet, können hier nachgelesen werden.