Perplejidades – Sergio Astorga

Quarks Ediciones Digitales hat ein Buch unter dem Titel Perplejidades von Sergio Astorga mit Minigeschichten (span. microrrelatos) herausgegeben. Das Wort Perplejidades steht für Verwirrungen, kann aber auch die Bestürzung ausdrücken, die sich in den verschiedensten Zusammenhängen einstellen kann. Dies lässt sich in den vielen kleinen Texten, die in diesem Buch zusammengefasst sind, sehr schön nachvollziehen. Die zunächst nur digital erschienene Version kann gemeinfrei bei dem Verlag heruntergeladen werden. Später wird der Verlag aus Peru darüber entscheiden, ob es auch eine Druckversion entweder der ganzen Reihe oder doch zumindest einzelner Exemplare geben wird.

Sergio Astorga, der in Mexiko geboren wurde, derzeit aber in Porto (Portugal) lebt, ist ein bildender Künstler, mit allem, was diese beiden Worte implizieren. Astorga arbeitet als Maler, Dichter oder Geschichtenerzähler und ist ein großer Liebhaber von Kunst und Wissenschaft. Astorga hat einen Abschluss in grafischer Kommunikation von der Escuela Nacional de Artes Plásticas der Universidad Nacional Autónoma de México (UNAM).

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Sprachakademie Argentinien: „lenguaje inclusivo“

Bei der geschlechtergerechten Sprache (‘lenguaje inclusivo’) müssen laut der Argentinischen Sprachakademie zwangsläufig zwei Wege beschritten werden: der sprachliche und der gesellschaftspolitische. Eine Sprache, ein linguistischer Sprachkörper, kann nicht bewusst von heute auf morgen erfunden oder neu erfunden werden. Die Buchstaben ‘a’ und ‘o’, die das Geschlecht unterscheiden, können nicht durch das ‘@’, das ‘*’, das ‘e’ oder das ‘x’ ersetzt werden, nur weil man dies gegen die männliche Sichtweise tun oder damit eine gesellschaftspolitische Realität abbilden möchte. Dieses Ersetzen ist der Morphologie des Spanischen fremd und völlig unnötig, da das generische Männliche oder grammatikalisch Maskuline bereits inklusiv ist, erfüllt es doch diese Funktion bereits als unmarkierter Begriff der Geschlechteropposition. Wenn man sagt: «Los hombres no son inmortales» („die Menschen sind nicht unsterblich“) oder «El hombre no es inmortal» („der Mensch ist nicht unsterblich“), bezieht sich dieses Substantiv ‘hombre’ (Mann/Mensch), im Singular oder im Plural, auf alle Menschen, Frauen und Männer, denn wenn es sich nur auf Männer beziehen würde, wäre es möglich, dass Frauen unsterblich wären und ewig leben würden.

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Europa+ (Europa Más)

Europa+ (Europa Más) streamt ab sofort die neuesten und beliebtesten Fernsehserien aus ganz Europa an ein Publikum in ganz Lateinamerika und der Karibik. Europa+ wurde für europäische Expatriates, Lateinamerikaner europäischer Abstammung und die große Gemeinschaft derer, die sich für die europäische Kultur in der gesamten Region begeistern, entwickelt und bietet den Zuschauern eine Vielzahl der neuesten und besten europäischen Sendungen, um sie mit den Wurzeln, der Kultur und den Vorlieben in Verbindung zu bringen. Der Dienst erstellt eine kuratierte Liste von Programmen aus den Bibliotheken bekannter europäischer Produzenten von Inhalten wie BBC Studios, Studio Canal, TF1, ZDF, NordicWorld, Studio 100, Spiegel und Mediaset. Die Programme werden werbefrei, in High Definition und in ihrer Originalsprache präsentiert – alle mit Untertiteln, die meisten davon in Spanisch und Englisch untertitelt. Europa+ ist ein Over-the-top-Digitalvideo-Abonnementdienst, der dem in Mexiko-Stadt ansässigen Investmentfonds Innokap und der in Atlanta ansässigen Castalia Communications Corporation gehört und von diesen betrieben wird.

Don Juan ist ein Spanier: ein Anarchist

Das Spanische – man kann es vernachlässigen, aber nie wird man Don Juan in ein anderes, ein bestimmtes, beispielsweise ein deutsches oder angelsächsisches oder slawisches Kostüm stecken, man versuche es, um daran zu erfahren, wie sehr Don Juan, ungeachtet unsrer Ausdeutung, im Grunde eine spanische Kreation ist und bleibt. Der Spanier […] kennt kein Vielleicht, kein Sowohl-Als-Auch, nur Ja oder Nein. Er kennt ja auch nur zweierlei Wein, roten oder weißen; er kennt keine Nuancen. Das hat etwas Großartiges bis in den Alltag hinein. Was ausfällt, ist das Zögern, das Vermengen, das Vermitteln; aber auch die Fülle der Übergänge. Was ausfällt, ist die seelische Mitte, das Gemüt, insofern auch das Mitleid, das kleine wie das große, fast möchte man sagen: die humane Liebe. Wenn der Spanier sagt: Ich liebe dich! so heißen die gleichen Worte: Ich will dich! Und sein Mut, wie er ja auch zu Don Juan gehört, erscheint uns oft als pure Geste, womit ein fatalistischer Mensch, einsam unter der kahlen Bläue des spanischen Himmels, sich selbst unterhält: Tod oder Leben, was tut es! Auch ihre Tänze haben ja das Trotzige, Hochmütige, Herausfordernde; Stimmung wird wie etwas Unwürdiges abgeschüttelt, mit Füßen zerstampft, unwirsch, geradezu hönisch, und wie leidenschaftlich ihr Tanz auch werden mag, nie endet er in Rausch, nie in der Wonne der Auflösung, im Gegenteil: im Triumph über den Rausch, in einer Pose des Völlig-Gefaßten, abrupt. Und stolz, versteht sich; dabei hat ja der Stolz immer etwas Leeres, etwas Ersatzhaftes. Lust am Leben? Größer ist die Lust am Bezwingen, spanischer.

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XXIX. Reina Sofía-Preis für iberoamerikanische Poesie 2020

Bild: Premio Reina Sofía de Poesía Iberoamericana

Der Dichter Raúl Zurita (70) wurde mit dem XXIX. Reina Sofía-Preis für iberoamerikanische Poesie ausgezeichnet, der von der staatlichen spanischen Organisation „Patrimonio Nacional“ in Zusammenarbeit mit der Universität von Salamanca (USAL) vergeben wird. Raúl Zurita ist nach Gonzalo Rojas (1992) und Nicanor Parra (2001) der dritte Chilene, der diese Auszeichnung erhalten hat.

Die Bekanntgabe von Zurita als Gewinner erfolgte via YouTube aus dem Königspalast in Madrid. „Der Preis würdigt seine Arbeit, sein poetisches Beispiel für die Überwindung von Schmerz: mit Versen, mit Worten, die dem Leben, der Freiheit und der Natur verpflichtet sind“, sagte der Präsident von „Patrimonio Nacional“, Llanos Castellanos, und verwies auf das jahrelange Parkinsonleiden des chilenischen Dichters. Nachdem sich die Jury aufgrund der COVID-19-Pandemie digital versammelt hatte, führte Castellanos einen von Zuritas Gedichten als Beispiel dafür an, wie man der Krise der Pandemie begegnen könne.

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Longlist des Selfpublishing-Buchpreises

Die Longlist des Selfpublishing-Buchpreises steht jetzt fest! In einem spannenden Livestream haben Tom Oberbichler, Monika Augustin und Julia Meier gestern Abend die Longlist-Kandidat:innen bekannt gegeben. Aus insgesamt 1501 Einsendungen (846 davon im Bereich Belletristik, 308 in der Kategorie Kinder- und Jugendbücher und 347 Sachbücher und Ratgeber) haben es 30 starke Titel in die engere Auswahl geschafft.

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Knochen in der Wüste

Der Ort: Ciudad Juárez, im Bundesstaat Chihuahua, an der Grenze von Mexiko zu den Vereinigten Staaten. Die Geschichte (Sergio González Rodríguez: Huesos en el desierto. Barcelona: Editorial Anagrama, 2002) schildert eine absolut reale Welle brutaler Verbrechen. Diese journalistische Chronik untersucht die barbarischen Serienmorde, die in dieser Gegend begangen und Jahr für Jahr wiederholt werden, darunter auch an Mädchen, die vergewaltigt und gefoltert und deren Leichen in der Wüste entsorgt werden. Eine Blutspur, die zu einem Netz der Komplizenschaft und des Schweigens zwischen Mördern, Polizei, lokalen Behörden, prominenten Bürgern und der Regierung von Mexiko auf höchster Ebene führt. Ein Buch, das eine erschreckende Realität anprangert.

Sergio González Rodríguez (Mexiko-Stadt, 1950-2017), war ein mexikanischer Journalist und Schriftsteller, der zahlreiche Auszeichnungen erhielt: Neben dem Preis für Meinungsfreiheit in Lateinamerika der Casa Amèrica Catalunya 2013 (Premio Libertad de Expresión) den Fernando Benítez Nationalpreis für Kulturjournalismus, mit dem er seine Trilogie, die dem Studium extremer Phänomene in den heutigen Gesellschaften gewidmet ist, mit Campo de Guerra abschloss, und der mit diesem erschütternden Bericht über die in Ciudad Juárez ermordeten Frauen begann, gefolgt von seiner Interpretation der Enthauptungen und rituellen Gewaltanwendung durch kriminelle Gruppen in El hombre sin cabeza (2009).

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Eine Komödie der Verstrickungen

Im August 2018, noch vor seiner Amtszeit als gewählter Präsident, ernannte Andrés Manuel López Obrador (AMLO) Margo Glantz, eine Schriftstellerin mit zahlreichen Referenzen, zur Nachfolgerin von José Carreño Carlón in der Position des Generaldirektors des Fondo de Cultura Económica (FCE). Am 3. Oktober wurde jedoch ein Video ausgestrahlt, das am Vortag aufgenommen worden war und in dem AMLO mitten in einer Kundgebung Paco Ignacio Taibo II dieselbe Position vorschlug. Das Video wurde in den sozialen Netzwerken weit verbreitet, und Margo Glantz stellte in einem Tweet klar, dass sie bereits am 3. September ihr Rücktrittsschreiben mit der Begründung persönlicher Gründe zur Post gegeben hatte. Am 4. Oktober lud der Autor von Días de combate ein weiteres Video hoch, in dem er ankündigte, dass er das Mandat des Präsidenten angenommen hatte.

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Einladung zur Longlist-Bekanntgabe

Über 1.500 Titel aus dem Selfpublishing wurden beim Selfpublishing-Buchpreis 2020 eingereicht. Die Bekanntgabe der Longlist wird online erfolgen. Am 12. September um 18 Uhr werden die Longlist-Titel bei einem Facebook Live Event vorgestellt. Wer sich für die besten Titel, die das Selfpublishing in diesem Jahr zu bieten hat, interessiert, wird bei dieser Veranstaltung garantiert fündig. In den Bereichen Belletristik, Kinder- und Jugendbuch sowie Sachbuch/Ratgeber werden es jeweils zehn Titel auf die Longlist schaffen.

Die Moderatoren stellen die Titel in dem einstündigen Event vor und sprechen über die Entwicklung des Selfpublishings in der Buchbranche. Außerdem werden die kommenden Events rund um den Selfpublishing-Buchpreis bekannt gegeben. Es gibt einiges, auf das man sich freuen kann. Alle weiteren Informationen zur Bekanntgabe der Longlist lassen sich auf der Webseite finden. Das Event kann entweder über Facebook oder über die Zoom-Veranstaltung verfolgt werden.

Aufklärung in der Unabhängigkeit: eine erfundene Tradition (II)

In der Ausgabe aus dem Jahr 2000 von Les origines culturelles de la Révolution française erklärte Roger Chartier, dass es ein Merkmal revolutionärer Prozesse sei, eine Genealogie zu erfinden. Im französischen Fall war diese Genealogie die Aufklärung. Es scheint, dass es auch für das amerikanische und lateinamerikanische Volk der Fall war. Irgendwo müssen die Ideen herkommen, die die atlantischen Gesellschaften so dramatisch erschütterten wie Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts. Immer mehr Studien zeigen, dass diese Ideen gerade durch die Kontingenz aus bereits existierenden kulturellen Bedingungen heraus geformt wurden, wie Timothy Tackett in seinem Becoming a revolutionary oder Gordon S. Woods großartige Studien über die amerikanische Revolution. Aber die Versuchung, Einflüsse zu finden, die als aufklärerische Ursprünge der Unabhängigkeiten veranschaulicht werden, hält an, und es ist nicht schwer, sie auch zu finden.

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