8M-21: Von der Mauer zum Mahnmal

Am Vorabend des feministischen Marsches am 8. März 2021 beschloss die Bundesregierung der Vereinigten Staaten von Mexiko, mehrere Gebäude im historischen Zentrum von Mexiko-Stadt mit einem Streifen Metallzaun abzuschirmen. Es wurde argumentiert, dass öffentliche Demonstrationen zwar nicht unterdrückt würden, aber auch keine Schädigung des nationalen Erbes oder anderer Bürger erlaubt seien. Unter anderem wurden der Palacio de Bellas Artes, die Banco de México, das neoklassische Denkmal Hemiciclo a Juárez und der Nationalpalast von einer mehr als drei Meter hohen Barriere umgeben, die die Regierung als „Friedensmauer“ bezeichnete. Tausende von Frauen verurteilten diese Aktionen mit Parolen der Gleichberechtigung und der Verteidigung der Rechte der Frauen. In einem Land, in dem jeden Tag 11 Frauen ermordet werden, wurde dem Schutz von Gebäuden mehr Aufmerksamkeit gewidmet als den Frauenmorden (Feminizide) und der geschlechtsspezifischen Gewalt.

Im Vorfeld des Marsches riefen feministische Kollektive über die sozialen Netzwerke dazu auf, an den Zäunen zu intervenieren und Gerechtigkeit gegen die Gewalt zu fordern, die Frauen tagtäglich erleiden. Die Wände wurden zu einem stillen, aber energischen Mahnmal umgestaltet, an dem die Namen von Hunderten von Frauen, die Opfer von Feminiziden und anderen Verbrechen geworden sind, mit weißer Farbe, Blumen, verschiedenen Gegenständen und Kerzen angebracht wurden. Die Mauer reichte nicht aus, um die Namen der Tausenden von verschwundenen und ermordeten Frauen in Mexiko zu erfassen. Das Denkmal wurde von der mexikanischen Regierung am Ende des Tages abgebaut, weshalb es wichtig ist, die Gedenkstätte digital zu erhalten. Daher haben der Nelson-Mandela-Lehrstuhl für Menschenrechte in der Kunst und die Generaldirektion für Veröffentlichungen und redaktionelle Förderung der Universidad Nacional Autónoma de México (UNAM) in Zusammenarbeit mit den Fotografinnen und Aktivistinnen Ximena Apisdorf und Anaí Tirado eine fotografische und dokumentarische Nachbereitung der Gedenkstätte veröffentlicht.

Sarmiento: el regreso

Bild: eduvim

Das Buch Sarmiento: el regreso von Noé Jitrik stellt eine Reihe von Arbeiten vor, deren Gegenstand die Bedeutung des Werks von Domingo Faustino Sarmiento ist, insbesondere Facundo und Recuerdos de provincia, die sowohl in ihrer Entstehung als auch in ihrer kulturellen, ideologischen und politischen Tragweite untersucht werden. Die zumeist analytischen Ansätze beziehen sich auf theoretische Perspektiven, insbesondere auf die Frage nach dem „Schreiben“ als traditionellem und alltäglichem Vorgang, jenseits der aktuellen Polemik verherrlichender oder verunglimpfender Art. Sarmiento: el regreso versucht, sich mit der wiederkehrenden Polemik über Sarmiento zu befassen, als eine leitende und zugleich beunruhigende Präsenz: es geht davon aus, dass seine Figur weiterhin Überlegungen, Antagonismen und Erklärungsbedürfnisse bei denjenigen weckt, die sich für die Beziehung interessieren, die zwischen der historischen, konkreten und symbolischen Vergangenheit Argentiniens und den aktuellen Themen bestehen kann.

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Russische Kunstszene

Nach der Ankündigung, dass die Künstler und der Kurator des Pavillons der Russischen Föderation von ihren Ämtern zurückgetreten sind und ihre Teilnahme an der 59. Biennale von Venedig, die vom 23. April bis zum 27. November 2022 stattfinden wird, abgesagt haben, wurden ähnliche öffentliche Anschuldigungen von Persönlichkeiten aus der Kunstwelt erhoben. Während Russland seinen Kampf zur Eroberung und Verteidigung der eigenen Leute in der Ukraine fortsetzt, haben Hunderte von Persönlichkeiten aus der russischen Kunstwelt und wichtige private Institutionen eine klare Position gegen den Krieg bezogen. Die Moskauer Galeristin Ekaterina Iragui meinte laut Il Giornale dell’arte, dass es allerdings kurzsichtig sei, die gesamte russische Kunstszene mit dem, was die Regierung tut, in Verbindung zu bringen. Und auch der Künstler Dmitry Vilensky betonte, dass die Mehrheit der Kunstwelt die Militäraktionen in der Ukraine ablehnt, aber die Unterdrückung es schwierig mache, dies öffentlich darzustellen.

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Noé Jitrik für den Literaturnobelpreis nominiert

Bild: eduvim

Die Nominierung eines argentinischen Schriftstellers ist immer ein Grund zur Freude. Mit seinem Buch Sarmiento: el regreso, das er 2016 in dem Verlag eduvim veröffentlichte, wurde Noé Jitrik für den Literaturnobelpreis nominiert.

Noé Jitrik aus Rivera, Provinz Buenos Aires (geb. 23. Januar 1928) ist ein argentinischer Literaturkritiker und Schriftsteller, Autor zahlreicher Kurzgeschichten, Romane und kritischer, literarischer und historischer Essays. Er ist mit der Schriftstellerin Tununa Mercado verheiratet und Vater des Physikers Oliverio Jitrik und der Künstlerin Magdalena Jitrik. Ab 1953 arbeitete er mit der Zeitschrift Contorno zusammen und zog im Jahr 1964 nach Buenos Aires. 1966 wurde der Film Todo sol es amargo veröffentlicht, für den er das Drehbuch schrieb. Da er ein Angebot erhielt, an einer französischen Universität zu arbeiten, ließ er sich für fast drei Jahre in Frankreich nieder und nahm zusammen mit seiner Frau an Kommissionen der Solidarität mit Chile und anderen Ländern in Amerika teil, in denen es in den 1970er Jahren zu Militärputschen kam.

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Realität und Fiktion

Bild: Realidades y Ficciones

In der Literaturzeitschrift Realidades y Ficciones Nr. 48 – Dezember 2021 – ist eine neue Renzension von Der Mann aus Rupak Tanta von Melacion Castro Mendoza erschienen. Darin weist Gonzalo Pantigoso Layza, Professor an der Universidad Nacional del Santa (Peru) zunächst auf die vielen peruanischen Schriftsteller hin, die in verschiedenen Teilen der Welt literarisch tätig sind und aufgrund dieser Transitivität im literarischen Prozess in Peru, abgesehen von einigen wenigen Ausnahmefällen, nicht mit Nachdruck berücksichtigt werden. Zu dieser Gruppe von Schriftstellern gehört auch Melacio Castro Mendoza, der aus Cain stammt, einem Ort in der Provinz Pacasmayo, La Libertad, und der seit 31 Jahren in Essen lebt, nachdem er mehrere Jahre lang in verschiedenen Teilen der Welt unterwegs war.

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Spanischer Kolonialismus, der nicht endet

Arantxa Tirado Sánchez ist Politikwissenschaftlerin mit einem Doktortitel in Internationalen Beziehungen der Universidad Autónoma de Barcelona und einem Doktortitel in Lateinamerikastudien der Universidad Nacional Autónoma de México. In einem Beitrag, veröffentlich in La Jornada, nimmt sie Stellung zu den Beziehungen zwischen Spanien und Mexiko und wie die neoliberalen Regierungen der Parteien der Institutionellen Revolution (Partido Revolucionario Institucional, PRI) und der Nationalen Aktion (Partido Acción Nacional, PAN) strategische Sektoren zu Schnäppchenpreisen in die Hände spanischer Investoren gegeben haben. Nach ihr führten die sprichwörtliche Kombination aus Korruption und malinchismo (die Zuneigung allem Fremden gegenüber bei gleichzeitiger Geringschätzung des Eigenen) zu den allseits bekannten Ergebnissen: Die Bevölkerung Mexikos, die zunehmend verarmt, ausgebeutet und mit Hungerlöhnen abgespeist wird, wurde ignoriert und ihrer eigenen Ressourcen beraubt. Das Land, das durch das alte Nordamerikanische Freihandelsabkommen (engl. North American Free Trade Agreement, NAFTA) an die Interessen der USA gebunden ist, hat keine Hoheit über die Energie mehr und ist nur noch mit wichtigen Fragen wie der Sicherheit beschäftigt.

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Gabriela Brimmer

Bild: Buchcover

Gabriela Brimmer war eine mexikanische Schriftstellerin und Aktivistin für die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Erstmalig auf deutsch ist jetzt ihre Biografie erschienen. Die gemeinnützige BUXUS Stiftung hat das Buch in ihrer Reihe der Fritz Bauer Bibliothek unter dem Titel Zu leben, zu kämpfen und wir selbst zu sein veröffentlich. Ihre beeindruckende Geschichte des Widerstands, ihren „Kampf um des Menschen Rechte“ (Fritz Bauer), schrieb Gabriela Brimmer zusammen mit der mexikanischen Schriftstellerin und Journalistin Elena Poniatowska auf. Wer bereits Mein linker Fuß von Christy Brown gelesen hat, wird sicherlich viel Freude an der Biografie von Gabriela Brimmer haben und einen neuen Blick auf die Situation der „Behinderten“ in Mexiko des letzten Jahrhunderts bekommen.

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Juan Manuel Torres

Bild: academia.edu

Am 5. April 1938 wurde Juan Manuel Torres in Minatitlán, Veracruz, geboren. Als er zwei Jahre alt war, zog er mit seinen Eltern und seiner älteren Schwester nach Coatzacoalcos, wo seine Familie eine Bäckerei eröffneten. Sein Vater starb, als er noch ein Teenager war, und seine Mutter schickte ihn zum Studium nach Mexiko-Stadt an das Williams College. Torres besuchte die Oberschule am Instituto Vasco de Quiroga, und nachdem er Ausbildungen aufgegeben hatte, die ihn nicht interessierten, trat er 1959 in die Universidad Nacional Autónoma de México (UNAM) ein, um Psychologie zu studieren, die damals an der Facultad de Filosofía y Letras (Fakultät für Philosophie und Literatur) gelehrt wurde.

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Jacobo Lerner

Bild: las afueras

Die fragmentarische und vielschichtige Biografie von Jacobo Lerner, einem bescheidenen jüdischen Kaufmann, der in die peruanische Provinz auswanderte, ist eines der größten Geheimtipps der lateinamerikanischen Literatur des letzten Jahrhunderts. Das Ergebnis ist eine Collage aus verschiedenen Blickwinkeln, die Fetzen von Erzählungen und der Geschichte zu einer Psalmodie zusammenfügt, in der sich Träume mit der rauen Realität der Diaspora vermischen. Auf halbem Weg zwischen Isaac Bashevis Singer und Juan Rulfo ist La vida a plazos de don Jacobo Lerner von Isaac Goldemberg die Geschichte des Aufeinandertreffens zweier Welten, eine Mischung aus Altem Testament und Hexerei, oder „die in Lianen eingewickelte Thora“, wie Severo Sarduy den Roman definiert hat. Ein Roman voller Phantasie, Humor und Bitterkeit, der Isaac Goldemberg die Bewunderung einer ganzen Generation von Schriftstellern einbrachte.

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