Spanischer Kolonialismus, der nicht endet

Arantxa Tirado Sánchez ist Politikwissenschaftlerin mit einem Doktortitel in Internationalen Beziehungen der Universidad Autónoma de Barcelona und einem Doktortitel in Lateinamerikastudien der Universidad Nacional Autónoma de México. In einem Beitrag, veröffentlich in La Jornada, nimmt sie Stellung zu den Beziehungen zwischen Spanien und Mexiko und wie die neoliberalen Regierungen der Parteien der Institutionellen Revolution (Partido Revolucionario Institucional, PRI) und der Nationalen Aktion (Partido Acción Nacional, PAN) strategische Sektoren zu Schnäppchenpreisen in die Hände spanischer Investoren gegeben haben. Nach ihr führten die sprichwörtliche Kombination aus Korruption und malinchismo (die Zuneigung allem Fremden gegenüber bei gleichzeitiger Geringschätzung des Eigenen) zu den allseits bekannten Ergebnissen: Die Bevölkerung Mexikos, die zunehmend verarmt, ausgebeutet und mit Hungerlöhnen abgespeist wird, wurde ignoriert und ihrer eigenen Ressourcen beraubt. Das Land, das durch das alte Nordamerikanische Freihandelsabkommen (engl. North American Free Trade Agreement, NAFTA) an die Interessen der USA gebunden ist, hat keine Hoheit über die Energie mehr und ist nur noch mit wichtigen Fragen wie der Sicherheit beschäftigt.

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Gabriela Brimmer

Bild: Buchcover

Gabriela Brimmer war eine mexikanische Schriftstellerin und Aktivistin für die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Erstmalig auf deutsch ist jetzt ihre Biografie erschienen. Die gemeinnützige BUXUS Stiftung hat das Buch in ihrer Reihe der Fritz Bauer Bibliothek unter dem Titel Zu leben, zu kämpfen und wir selbst zu sein veröffentlich. Ihre beeindruckende Geschichte des Widerstands, ihren „Kampf um des Menschen Rechte“ (Fritz Bauer), schrieb Gabriela Brimmer zusammen mit der mexikanischen Schriftstellerin und Journalistin Elena Poniatowska auf. Wer bereits Mein linker Fuß von Christy Brown gelesen hat, wird sicherlich viel Freude an der Biografie von Gabriela Brimmer haben und einen neuen Blick auf die Situation der „Behinderten“ in Mexiko des letzten Jahrhunderts bekommen.

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Juan Manuel Torres

Bild: academia.edu

Am 5. April 1938 wurde Juan Manuel Torres in Minatitlán, Veracruz, geboren. Als er zwei Jahre alt war, zog er mit seinen Eltern und seiner älteren Schwester nach Coatzacoalcos, wo seine Familie eine Bäckerei eröffneten. Sein Vater starb, als er noch ein Teenager war, und seine Mutter schickte ihn zum Studium nach Mexiko-Stadt an das Williams College. Torres besuchte die Oberschule am Instituto Vasco de Quiroga, und nachdem er Ausbildungen aufgegeben hatte, die ihn nicht interessierten, trat er 1959 in die Universidad Nacional Autónoma de México (UNAM) ein, um Psychologie zu studieren, die damals an der Facultad de Filosofía y Letras (Fakultät für Philosophie und Literatur) gelehrt wurde.

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Jacobo Lerner

Bild: las afueras

Die fragmentarische und vielschichtige Biografie von Jacobo Lerner, einem bescheidenen jüdischen Kaufmann, der in die peruanische Provinz auswanderte, ist eines der größten Geheimtipps der lateinamerikanischen Literatur des letzten Jahrhunderts. Das Ergebnis ist eine Collage aus verschiedenen Blickwinkeln, die Fetzen von Erzählungen und der Geschichte zu einer Psalmodie zusammenfügt, in der sich Träume mit der rauen Realität der Diaspora vermischen. Auf halbem Weg zwischen Isaac Bashevis Singer und Juan Rulfo ist La vida a plazos de don Jacobo Lerner von Isaac Goldemberg die Geschichte des Aufeinandertreffens zweier Welten, eine Mischung aus Altem Testament und Hexerei, oder „die in Lianen eingewickelte Thora“, wie Severo Sarduy den Roman definiert hat. Ein Roman voller Phantasie, Humor und Bitterkeit, der Isaac Goldemberg die Bewunderung einer ganzen Generation von Schriftstellern einbrachte.

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Volver a contar

Bild: Hay Festival

Zehn Autoren werden mit den Kuratoren des Santo Domingo Centre of Excellence for Latin American Research (SDCELAR) zusammenarbeiten, um Geschichten zu schreiben, die von Objekten aus der mittel- und südamerikanischen Sammlung des British Museum inspiriert sind und im September 2022 unter dem Titel Volver a contar: Escritores de América Latina en los archivos del Museo Británico (Anagrama) und Untold Microcosms: Latin American Writers in the British Museum (Charco Press) veröffentlicht werden sollen. Die Sammlung des Museums umfasst etwa 62.000 Objekte, die 10.000 Jahre menschlicher Geschichte in der Region abdecken. Das Projekt Volver a contar wird die Erzählungen über die Vergangenheit Amerikas untersuchen, die durch die Sammlungen des Museums trotz ihrer Lücken und Zerschlagungen geschaffen wird. Eine neue internationale Zusammenarbeit zwischen SDCELAR und dem Hay Festival wird neue Geschichten inspirieren, die auf Objekten aus der Sammlung Amerikas basieren, die derzeit nicht ausgestellt sind.

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Big Brother is watching you

Bild: TraLaLit

Anlässlich des bevorstehenden Todestages von George Orwell, der sich am 21. Januar 2022 zum 72. Mal jährt, lohnt sich ein Blick auf einen Vergleich der Übersetzungen seines Romans 1984. Julia Rosche hat schon vor einem Jahr für TraLaLit, dem Magazin für übersetzte Literatur, einen interessanten Beitrag verfasst, in welchem sie die Übersetzungen der verschiedenen Verlage aus dem Jahr 2021 der Übersetzung von Kurt Wagenseil (1950) und Michael Walter (1984) aus dem Ullstein Verlag gegenüberstellt. Nachdem das Werk von Orwell seit 2020 gemeinfrei ist und die Übersetzungsrechte nicht mehr beim Ullstein Verlag liegen, haben namhafte Verlage eine eigene Übersetzung herausgebracht.

In den gerade neu aufgelegten neuerlichen Übersetzungen haben sich die Übersetzer mit dem Wort „Newspeak“ nicht wirkliche Mühe gegeben und bleiben bis auf kleine Ausnahmen bei dem Wort „Neusprech“, was schon in der Übersetzung von Walter von dem Wort „Neusprache“ von Wagenseil abweicht. Auch die Wortspiele „Big Brother“ („Großer Bruder“), „Doublethink“ („Doppeldenk“ mit Ausnahme von Simone Fischer, die bei der alten Übersetzung von Kurt Wagenseil „Zwiedenken“ bleibt), „thinkpol“ („Gedankenpolizei“ mit Ausnahme von Frank Heibert, der mit „Denkpol“ hier abweicht) oder „goodthink“ als „Gutdenk“ lassen sich nicht wirklich gravierende Unterschiede finden.

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Bedürfnis nach Abgeschiedenheit

Yvonne Dewerne hat in Esquire einen Beitrag über das Alleinsein veröffentlicht, in dem sie darauf aufmerksam macht, wie wichtig es ist, das Alleinsein zu lernen, da es für unser Wohlbefinden große Vorteile bringt.

Die Begriffe „Einsamkeit“ und „Alleinsein“ werden heutzutage meist synonym verwendet, dabei gibt es einen großen Unterschied: Einsamkeit macht Menschen krank, Alleinsein macht sie glücklich. Einsamkeit geht einher mit einem höheren Risiko für Herzinfarkt, Demenz und vor allem Depression. Und Alleinsein sollte eine freiwillige Entscheidung sein. Wer mit sich selbst Zeit verbringt, weiß besser, wer er oder sie eigentlich ist. Und das kann ein großer Vorteil sein. Auch sind wir durchs Alleinsein stärker im Einklang mit der Natur und unserer Umgebung – einfach, weil wir diese mit ungeteilter Aufmerksamkeit erleben und wahrnehmen können. Wir nehmen Notiz von der Architektur oder sehen einen neuen Laden, den wir besuchen wollen. Die Beispiele sind vielfältig. Und wir fühlen uns freier, weil wir unabhängiger und selbstsicherer sind.

Schon immer haben kreative Menschen und Künstler die Einsamkeit als Quelle der Inspiration gepriesen. Andere sehen es als „Luxus“ an, da Alleinsein zu Unrecht einen schlechten Ruf hat. ”Alleinsein ist Sehnsuchtsort und Höllenvorstellung zugleich“. Die sechs Vorteile des Alleinseins, die Yvonne Dewerne in ihrem Beitrag auflistet, können hier nachgelesen werden.

Bedingungsloses Grundeinkommen und die Diskussion darüber

Seit über ein Bedingungsloses Grundeinkommen diskutiert wird, schallt ihm der Vorwurf entgegen, es solle die Lösung für alle Probleme sein und sei deswegen unrealistisch oder gar naiv. Obwohl seit Jahren Befürworter hervorheben, dass es kein Allheilmittel ist, in etlichen Abhandlungen dies ausgeführt wird, erfreut sich dennoch dieser Vorwurf großer Beliebtheit. Selbst wenn es Befürworter gibt, die die Hoffnung auf eine einfache Lösung haben, hat das mit der Idee eines BGE nichts zu tun, die Hoffnung bezeugt nur den Wunsch nach einer einfachen Lösung. Selbst wenn mit einem BGE der gesamte Sozialstaat ersetzt werden soll, solche Befürworter gibt es, folgt dies nicht aus einem BGE, sofern man sich an den etablierten Kriterien orientiert, z. B. des Basic Income Earth Networks oder des Netzwerks Grundeinkommen. Folgt man der Systematik, die die Kriterien miteinander verbindet, ergeben sich Schlussfolgerungen, die naheliegen und andere, die abwegig sind und der Systematik entgegenstehen. Dass man einem BGE alles Mögliche anhängen kann, ist nicht ungewöhnlich, die Geschichte manchen Vorschlags kann dafür Pate stehen.

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Papst Franziskus und die Werbung

Es scheint fast so, als wollte Papst Franziskus Werbung für das Buch von Melacio Castro Mendoza mit dem Titel Der Mann aus Rupak Tanta machen. Darin schreibt der Autor:

Ohne auf das einzugehen, was er mir sagen wollte, bemerkten wir ganz in der Nähe zwei ältere Frauen, die in dicke Mäntel gekleidet waren und elegante Wollschals um Haar und Hals trugen. Ihre Beschäftigung? Mit ihren Hunden spazieren gehen. (S. 88) […] „Gandhi ist der Name meines Hundes. Er ist der Einzige, der mich zu den Sternen emporhebt.“ (S. 130) […] „Warum sind gerade in Essen, aber auch in Deutschland im Allgemeinen, so viele Menschen reichlich vorhanden, die liebevoller mit ihren Autos und freundlicher mit ihren Hunden umgehen als mit Kindern und Ausländern?“ (S. 195) […] „Wenn sie ihre Autos und ihre Hunde den Kindern und Ausländern vorziehen, dann deshalb, weil sie das natürliche Bedürfnis haben, ohne großes Risiko das eine oder andere zu verfluchen, zu beschimpfen, mit ihm zu reden, zu streicheln und zu misshandeln. (S. 196)

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Schreiben zur Befriedigung der Wut

Bild: Editions Grasset

Mehr als dreißig Jahre nach den Ereignissen legt Vanessa Springora mit Le consentement (2020) ein Buch vor, das mit einer verblüffenden Klarheit und in einer bemerkenswerten Sprache geschrieben ist. Sie schildert darin den unerbittlichen Prozess der psychischen Manipulation und die erschreckende Ambiguität, in die das willige, liebende, sehr junge Opfer versetzt wird. Doch über ihre individuelle Geschichte hinaus hinterfragt sie auch ein Stück weit die Verirrungen einer Epoche und die Selbstgefälligkeit eines Milieus, das von Talent und Ruhm geblendet ist.

„Schreiben war bestimmt das beste Heilmittel, um meine Wut ein für alle Mal zu befriedigen und mir dieses Kapitel meines Lebens wieder anzueignen. Viele Menschen haben mir das im Laufe der Jahre schon nahegelegt. Andere hatten im Gegenteil versucht, mich in meinem eigenen Interesse davon abzubringen.“

Das Buch ist auch auf Deutsch in der Übersetzung von Hanna van Laak im Blessing Verlag unter dem Titel Die Einwilligung erschienen und zeigt die Macht eines charismatischen Mannes, der aufgrund der fehlenden Intervention seines Umfeldes seine Neigungen ausleben und zu seinem eigenen Vorteil bis ins kleinste Detail ausschlachten kann. Dennoch reflektiert Springora zumindest ansatzweise aber auch die Beweggründe eines derart manipulativen Verhaltens.